Sonntag, 16. Oktober 2005

chili zum frühstück?

"seit die mama mit dem h. zusammen ist, kauft sie nur mehr sachen, die ihm schmecken und mir nicht! ich krieg gar nichts mehr zu essen! schon zum frühstück gibt es chilischoten ..."
soweit die klage von a. an d. (seinen vater/meinen ex). da d. und ich ein gutes gesprächsklima haben, hat er mich drauf angesprochen - "ja glaubst du ihm das denn?" "natürlich nicht, aber das problem dürfte tiefer liegen". nur sagt er nichts zu mir, kann er nicht, will er nicht ...
bei meinem ex ist alles besser - seine neue frau macht grundsätzlich und ernährungstechnisch und überhaupt alles richtig. ich höre a. zu, ich glaube ihm das durchaus - nur - so perfekt war ich noch nie, bin ich nicht und werde ich nie sein. und das ist ja auch nicht das problem.
am donnerstag war ich mit einer freundin weg - h. war da und passte auf a. auf. am freitag rief mich die krankenschwester der schule an - es müsse sofort jemand kommen und a. abholen, er sei krank. zuhause fühlte er sich dann wiederum sehr wohl - und absolut nicht krank. sehe ich zuviel zusammenhang?
*
gerade eben sind a. und h. ins kino gegangen - und es schien mir nicht gerade so, als wäre a. darüber unglücklich.
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Sonntag, 9. Oktober 2005

WIE MAN NICHT FLIEGT

ich bin wirklich pünktlich. ich kann mich selber noch so darum bemühen - ich komme einfach nie zu spät. vielleicht liegt das an meiner hektischen mama, bei der man immer fünf minuten vor dem angekündigten essen da zu sein hat, denn dann ist es am tisch - ich schaffe es auch mit a., mit h. und ich schaffte es sogar mit meinem ex überall hin pünktlich zu kommen. ok - da tricks(t) e ich manchmal - von mir einfach falsch angegebene frühere zeiten, bestechung mit überraschungseiern, was auch immer - ich bin eben pünktlich. aus überzeugung. aus respekt dem anderen gegenüber, den ich nicht warten lassen will. aus gewohnheit - was auch immer.
aber das reicht nicht immer aus: vorigen donnerstag musste ich nach luxemburg. normalerweise fangen unsere sitzungen um 10:30 an, ich stehe um halb sechs auf und es geht sich wunderbar aus am selben tag hinzufliegen. dieses mal war ich hoch erfreut - die sitzung beginnt erst um halb drei - und es gibt einen direktflug von wien um 9:20. in luxemburg kann man einkaufen, die zweieinviertel sehenswürdigkeiten kenne ich nach dem zehnten mal doch zur genüge, und außerdem hab ich eine freundin aus portugal, die immer einen tag vorher kommen muss - also die paar stunden bis zum beginn würden mir den arbeitstag doch entscheidend verschönern können.
ich begab mich zur nächstgelegenen schnellbahnstation - mit dem zug um 8:15 würde ich um 8:48 am flughafen sein, gepäck habe ich da sowieso nie, das müsse ausreichen. aus meiner dunklen vergangenheit, als ich einmal im monat nach frankfurt flog, weiß ich noch recht gut, dass ich mit quick-check-in ungefähr eine viertel stunde vor abflug noch nie probleme hatte. um genau 8:16 kam die durchsage:" wir bedauern, dass aufgrund einer betriebsstörung die s-7 nach wien-schwechat ungefähr 10 bis 15 minuten verspätet sein wird". nun kenne ich die zuverlässigkeit solcher durchsagen und in anbetracht meiner doch etwas knappen kalkulation, nahm ich mir ein taxi. kein stau am handeslskai, kein stau auf der tangente, wir waren um 8:40 am flughafen.
nun muss ich etwas abschweifen. ich leide an einer art "ich will die beste große schwester von allen sein"- syndrom. meine kleine würde um 8:50 aus new york zurückkommen. und dann wäre sie nach drei wochen mit 60 schülern und zwei kollegen sicher ganz plötzlich ganz alleine und sehr traurig deshalb. im taxi stand ein unmissverständliches schild: "bei fahrten zum flughafen verrechnen wir auch die rückfahrtsgebühr". da kam mir eine großartige idee - diese rückfahrt könnte ich doch meiner schwester als willlkommensgruß spendieren. ich überredete den taxler, ein großes schild mit ihrem namen zu malen und vereinbarte mit ihm, dass ich nach meinem quick-check-in noch in die ankunftshalle schauen würde.
um 8:45 war die maschine mit meiner schwester gelandet - leider kam sie nicht schon um 8:46 heraus. um spätestens 9 uhr würde ich mich zu meinem gate begeben, verkündete ich dem taxifahrer - sie meinen, das reicht?, fragte der ein wenig ungläubig. natürlich reicht das - ich hab ja schon eingecheckt - ich würd sie doch so gerne noch umarmen. wir warteten bis 8:58, ich umarmte sie tatsächlich für dreißig sekunden und begab mich unverzüglich zurück in die abflugshalle. in schnellem schritt durchschritt ich die passkontrolle und die personenvereinzelung -(das ist die durchleuchtung - keine ahnung wann ich mir dieses wort gemerkt habe, aber es hat doch was ...). und dann befand ich, dass sich doch noch ein paar züge an einer zigarette ausgingen - es war ja erst 9:02. und seelenruhig ging ich noch aufs klo. um 9:05 war ich am gate. sonst war da leider niemand mehr.
ich wandte mich an die kollegen daneben - sie sollten mir bitte helfen, zur maschine nach luxemburg zu kommen. das könnten sie nicht, ich müsse zurück zum service-center. ich kann wirklich schnell rennen, wenn es drauf ankommt. es ist allerdings günstiger, wenn ich weiß wohin. also rannte ich alles zurück - und mit nur einem umweg war ich um 9:10 beim service-center. bis ich der dame dort leicht keuchend erklärt hatte, was ich denn wolle (nämlich sofort zur maschine nach luxemburg gebracht zu werden), war es 9:13. "jetzt ist es auf jeden fall zu spät", meinte die service-lady - sie könne da nichts mehr machen. ich begann das resigniert einzusehen. obwohl ich schon einmal mit meinem privatauto aufs flugfeld gefahren war - quasi auch aus versehen - aber das ist eine ganz andere geschichte ...
die dame suchte nun neue verbindungen - der nächste flug wäre um 17 uhr irgendwas. das sei mir ein bisschen zu spät. ich könne auch über prag fliegen - um 10:10 dann hätte ich fast eine stunde zeit zum umsteigen - und um 14:10 wäre ich in luxemburg. na bestens, dachte ich, bis sie mir "allerdings um 430 euro aufpreis" verkündete. upsi - nur so zum vergleich: heuer im juni war ich doch gerade erst um einen cent nach dubrovnik geflogen - und im juli um ganze 59 euro nach bilbao. und für den linienflug nach luxemburg hatte doch irgendwer schon 920 euro für mich bezahlt .... ich rief meinen chef an, der war natürlich nicht da. ich fällte eine entscheidung. ich höre mit dem rauchen auf - und für meine blödheit würde ich jetzt 430 euro zahlen, die ich mir dann quasi sofort erspare.meine extrem wesentliche anwesenheit in luxemburg wäre mir das wert, und ich denke nie wieder darüber nach.
unverzüglich - und diesmal tatsächlich - fand ich mich beim gate ein. bei der abfertigung war ich die erste. wir stiegen in den bus ein, wir nahmen alle platz. der bus bleib stehen. nach fünf minuten kam folgende durchsage "der flug xyz wird voraussichtlich um 11:15 starten, wir bedauern die verzögerung und ersuchen sie, wieder auszusteigen und weitere durchsagen abzuwarten". heut ist nicht mein tag, dachte ich und klagte dem mitarbeiter am schalter mein leid. "ich hab´s schon g´hört" sagte er, was mein vertrauen irgendwie nicht sehr vertiefte. aber ab da begann man sich zu bemühen. es gäbe eine zweite maschine nach prag - vielleicht fliege die jetzt früher, obwohl sie ja eigentlich erst später fliegen hätte sollen- und der flughafen in prag sei wegen nebel gesperrt gewesen, da könne man nichts machen. wahrscheinlich hätten auch die anschlussflüge verspätung. wie wahrscheinlich? das wisse man leider nicht. ich könne auf jeden fall in die erste maschine, die mit destination prag starte, einsteigen - egal, welche. nein, ich müsse nirgends mehr hin, es sei nur zwei gates weiter - man würde das mit den kollegen dort direkt abklären. und jetzt begann ein lustiges hin und her. die kollegen am anderen schalter fingen an, die leute abzufertigen. "soll ich rübergehen?" nein - jetzt käme es darauf an, welcher bus früher käme. wir gewinnen, sagte mir der am schalter mit dem verschobenen flug. "sind sie sicher?" fragte ich. "halbwegs - unser bus kommt vorher - glaub ich ..." außerdem hätte er in der zwischenzeit nachgesehen, es gibt einen zweiten flug von prag nach luxemburg - den würde ich auf jeden fall erwischen. das würde dann nichts kosten.
und dann begann er auch, die leute abzufertigen. da ich eh schon dort stand, war ich doch tatsächlich wieder die erste. um 11:13 starteten wir. ich zeigte den stewardessen mein nächstes ticket - was besseres fiel mir nicht ein. das wird aber sehr knapp, meinten die. auch wenn prag flugtechnisch von wien nicht wirklich weit entfernt ist - auf dem zweiten ticket stand "boarding-time 11.55". beim aussteigen wünschten sie mir glück und meinten, wenigstens hätten wir "einen finger" - im klartext - ich könne sofort losrennen - denn es war genau 12:03.
das erste, was ich hörte, war mein name in der durchsage. "last call for ..., mrs. xyz please usw. usf ...", Ich übersprang etwa 15 personen auf zwei förderbändern. ich drängte mich brutalst zur durchleuchtung vor - gott sei dank verstand ich keinen der mir zugedachten kommentare. ich rannte einfach durch - irgendwer schrie "stop" - mir wars egal. ich rannte zum gate - und ich fand es auf anhieb. kein passagier war noch außerhalb - aber - ein angestellter stand noch lächelnd dort und der bus war in sichtweite. ich hatte es geschafft - zwei minuten später war ich und fünf minuten länger hustete ich noch im flieger. ich höre auf zu rauchen - ich verspreche es, ich komm nie wieder so spät zum flughafen. in prag sind sie übrigens sowieso viel netter als in wien. (das weiß ich ja eigentlich schon länger - denn einmal vor langer zeit, als sich ebenda eine unglaublich große traube vor dem eingang des flughafens gebildet hatte, und wir (pünktlich wie immer;-)) nach einer halben stunde doch etwas nervös geworden waren, rannte eine der angestellten mit uns durch sämtliche kontrollen hinaus aufs flugfeld und hin zur maschine ...)
auf diesem flug kam ich auf die wunderbare idee, mir die sitzungsunterlagen noch einmal anzuschauen. oh - die beginnzeit war 14:15. die tschechische airline flog schneller (außerdem startete sie pünktlich - der nebel war ja längst weg). Um 14:14 war ich da. pünktlich wie immer.

ps: meine österreichische kollegin bestätigte mir: am flughafen wien hatte es keinerlei durchsage gegeben. lediglich im bus hätten sie nach mir gefragt.
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Dienstag, 4. Oktober 2005

Medizinisches Ausflugslexikon...

Grundsätzlich will mein Sohn ja Tierarzt werden. Ich persönlich glaube eher, dass er ein ausgezeichneter Anwalt werden wird, er argumentiert so nett. Nur ein kleines Beispiel: Mutter verweigert ihm den Ankauf eines Kartendecks. Das ist ein martialisch anmutendes Plastikgestell zum Halten von Pokemon-Karten, das man sich sehr elegant um den Unterarm schnallt. Wieso man die Karten nicht einfach in der Hand halten, oder sie gar auf den Tisch oder Boden legen sollte, entzieht sich der Logik der Vermögensbereitstellerin. Aber – es gibt auch andere Großfamilienmitglieder, die Geld spenden – und als er freudestrahlend mit dem Unding heimkam, hörte ich auf meine resignierte Frage, wieso er genau das gekauft hätte, wenn ich es ihm doch ausdrücklich verboten hätte: Das hast du aber bei der vorigen Version (!!) gesagt!
Doch vielleicht sollte er lieber Schauspieler werden. Für gebrechliche Altersrollen oder so.

Sonntag morgen, strahlendes Wetter.

Zunächst leidet er an den "Ich-will-nicht-mitgehen"-Schmerzen. Könnt ihr den Ausflug nicht ohne mich machen? Ich bleib daheim, ich hab Bauchweh/Kopfweh/Zahnweh". Demonstratives Am-Bauch-Liegen, Suchen einer Wärmeflasche oder eines kühlenden Waschlappens. Kopfweh kann mit Fernseh-, Gameboy- und Computerentzug kuriert werden, bei Zahnweh riskiert er einen folgenden Zahnarztbesuch, nur für Bauchweh ist mir noch nichts rechtes eingefallen.
Etwas so Simples, wie "Ich bin zu müde" lasse ich auch schon längst nicht mehr gelten. Obwohl er sich da zum Beweis grundsätzlich extra zurück ins Bett begibt.

Unter Einsatz listiger und manchmal auch etwas weniger raffinierten Methoden verlassen wir dann die Wohnung. Ohne Wutausbruch geht das, wenn er sich darauf einlässt, das Ausflugsziel auszusuchen. Hier hat er zwar noch etliche Verzögerungsmöglichkeiten, aber irgendwann hat auch er seine Schuhe an.
Weniger erfreut ist er, wenn das Ziel vorbestimmt ist, und die Erwachsenenmehrheit ihn praktisch mit roher Gewalt aus seinem Zimmer holt und ins Gewand steckt. Er lässt sich dann gerne bis zum Aufzug schleifen, spricht in den gewählten Verkehrsmitteln grundsätzlich kein Wort mit mir/uns und sieht ungefähr nach einer halben Stunde eventuell ein, dass er diese Runde doch verloren hat.

Irgendwann sind wir dann in der frischen Luft. Nach ungefähr einer Viertelstunde treten die Ermüdungsschmerzen in den Füßen auf. "Du wolltest schon längst mit mir zum Orthopäden gehen, Mama! Du weißt, dass mir meine Füße immer weh tun!" Findet sich eine interessante Abzweigung – eventuell mit 40 Grad Steigung bergauf – vergehen diese Leiden eher rasch. Keuche ich dann hinterdrein, wirft er mir ein "Selber schuld, du wolltest ja unbedingt wandern gehen" an den Kopf. Das stimmt und stimmt mich eher fröhlich, was ich mir aber nicht so genau anmerken lasse.

Aber der Enthusiasmus hält nicht lange. Jetzt kommen die plötzlich auftretenden Verknacksungsschmerzen. Er hört es jedes Mal ganz deutlich, wenn es passiert. Ab nun braucht er einen Stock, an dem er weiterhumpeln kann. Mit der anderen Hand darf ich ihn stützen, meist eher mit dem ganzen Arm. Am liebsten würde er von nun an getragen werden. Erstaunlicherweise vergisst er auf seine eingeschränkte Mobilität beim Anblick wilder Tiere oder zivilisierter Klettergerüste.

Selbstverständlich habe ich auch immer zu wenig oder das Falsche mit. In weiterer Folge plagen ihn dann Hunger- und Durstgefühle, die grundsätzlich nur in einem nicht vorhandenen Gasthaus gestillt werden könnten. Also lassen wir uns irgendwann zur Rückkehr erweichen. Dass man dafür je länger braucht, je langsamer man geht, ist wiederum sehr schwer zu vermitteln. Sollte jemand irgendwo in tiefer Abenddämmerung einen Zehnjährigen einsam sitzen und rasten sehen – ruft mich bitte an! Ich hole ihn dann ab.
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Donnerstag, 29. September 2005

szenen einer nicht-ehe

H´s Handy läutet. Ich sitze auf seinem Balkon, er dahinter in Hörweite im Wohnzimmer. Er hebt ab und geht damit ins Schlafzimmer. Kommt nach kurzer Zeit wieder. Die kluge Frau fragt nichts.
*
Drei Stunden später. H´s Handy läutet. Wir sitzen beide im Wohnzimmer. Er hebt ab und bleibt sitzen. Und das hab ich dann gehört:
"Hallo Schnucki!"
…(aha, könnte die K., die E., der M. oder der C. sein).
"Weil du immer dann anrufst, wenn mein Akku leer ist."
(aha, er wollte also nur zum Ladegerät vorhin)
"Das hab ich mir gedacht."
… (aha, sie haben sich was ausgemacht, und sie kann doch nicht.)
"Ja, bin ich."

"Eine eingebildete, arrogante, pseudointellektuelle Tussi, genau wie du eigentlich."
… (ab hier war ich mir sicher, dass es die E. ist …)
"Weil ich ein Trottel bin."
… (hier hab ich dann laut "sehr witzig" einwerfen müssen)
"Ja Putzerl, bis nächstes Jahr oder so."
….und so schnell war sie wieder weg.

Rückblende.
Voriges Jahr im November.
Eine Freundin von mir eröffnet eine Gemeinschaftspraxis. Ich schau mir ihren Folder an, und stolpere über einen Namen – kann das die E. sein? Ich zeig dem H. die Seite, und er sagt – ja natürlich, die macht so was auch.
Nächster Tag: "Übrigens treff ich mich am Samstag mit der E".
Die kluge Frau schweigt. Selber schuld, denk ich mir, ich hätt ihn ja nicht extra an sie erinnern müssen. Und ärgere mich ein bisschen, aber gar nicht so sehr wegen der Person, die ich ja gar nicht kenne, sondern wegen des Wochentags. Es gibt da so ein ungeschriebenes Gesetz. Dass wir nicht jeden Abend miteinander verbringen – und uns Woche für Woche zwei "freie" Tage ausmachen. In Ausnahmefällen heißen die Freitag. In extremen Ausnahmefällen Samstag. Wenn einer Lust hat, dem anderen zu erzählen, was er gemacht hat/machen wird, tut ers. Wenn nicht, dann nicht. Neugieriges Fragen gibt es nicht.
Ich lad mir eine Freundin ein. Scheint mir klüger zu sein, als zu viel drüber nachzudenken. Ich hab die ganze Woche kein gutes Gefühl. Ist schwer zu sagen, warum eigentlich. Erstens ist die Beziehung schon sehr lange vorüber. Zweitens sieht er sie nach eigenen Aussagen so ca. alle halben Jahre – und ich hab überhaupt keinen Grund, ihm nach mehr als einem halben Jahr zu misstrauen.
Am Samstag sagt H. zu mir beim Weggehen: "Bis nachher!". Ich schaue wie ein lebendiges Fragezeichen. Normalerweise schläft jeder in seiner Wohnung, wenn wir "frei" haben. "Du kommst nachher wieder?" – "Ja, so hab ich mir das gedacht", sagt der H. und ich denk mir – hättest du das nicht gleich sagen können? Und das ungute Gefühl war weg. Mit meiner Freundin hab ich dann einen wirklich netten Abend verbracht. H. kam schon vor Mitternacht zurück, ein bisschen betrunken. Wir unterhielten uns noch – das Gespräch plätscherte dahin bis zur Aussage "Ich hab ihr eh einen Dreier vorgeschlagen, aber sie wollt nicht". Darauf ist mir nur: "Meinst nicht, dass du da auch mich fragen müsstest?" eingefallen.
*
Rückblende 2.
Heuer im Februar. Zwei Wochen vorm Schiurlaub. H. zu mir. "Die E. kommt vielleicht auch." Ich: "Wie bitte? Wieso?" H: "Na, ich hab ihr gesagt, wann wir auf die Hütte fahren, sie überlegt sich´s." Ich mit leicht erhöhter Stimme: "Du kannst sie doch nicht einfach fragen, ob sie mit uns auf Urlaub fahren will, ohne dass ich das weiß!" H. "Du bist doch sonst nicht so kompliziert, du fragst ja auch immer alle möglichen Leute, ohne mich zu fragen… .." Ich: "Das ist aber schon was anderes!". H: "Wieso? Naja, wahrscheinlich hat sie eh keine Zeit."
Und sie hatte dann auch keine, warum auch immer.
*
Rückblende 3: Heuer im Juli, irgendwo in Dubrovnik. H. versucht die E. anzurufen, er will ihr einfach sagen, dass er da ist. (Das letzte Mal war er vor 15 Jahren oder so mit ihr da.) Er zu mir – "Weil sie ist nämlich gerade in Indien. Da ärger ich sie jetzt ein bisschen." Aber da war dann wohl deshalb gar keine Verbindung möglich …

Resumee: Irgendwie mag ich die E. Obwohl ich sie nicht kenne. Oder vielleicht grad deshalb.
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Samstag, 24. September 2005

wie man einen australier was fragt ...

gestern hatten wir gäste. der er aus australien, die sie aus japan. die ganze zeit unterhielten wir uns ausschließlich auf englisch - und das kann mein sohn eigentlich nicht. er saß ein wenig abseits und frönte seinem schwammköpfigen lieblingshelden. vor ihm alle schulsachen.
a. zu mir: mam komm einmal her.
ich eile in den anderen wohnzimmertrakt ...
a: wo ist unser deutsch-englisch-wörterbuch?
ich geh es suchen - ich stelle fest,ich habe keines.
ich zu a: ich find keins, wahrscheinlich hat´s der papa. (bücher gehörten zu den wenigen dingen, die wir halt damals auseinanderdividiert haben. das englisch-deutsche hätte er dann allerdings dagelassen. aber ich schweife ab, das hat jetzt wiederum eher was mit meiner überaus großen ordnungsliebe zu tun, bei mir sind die bücher ja eigentlich nach verlagen farblich und nach autoren alphabetisch geordnet .. und dann gibt es noch die, die ich erst lesen werde, und den stapel derer, die ich nicht nochmals lesen werde, und bei denen ich das gleich weiß, im gegensatz zu denen, wo ich mir nur vorstellen kann, sie wieder zu lesen, und deshalb einen platz finde, um sie dann eben im regal stehend doch nicht wieder zu lesen, bis sie mir endgültig so fremd vorkommen, dass ich sie vielleicht doch aussortiere, aber vorher schnell noch auf den stapel der zum zweiten mal zu lesenden bücher lege ...)
ich zu a: wieso fragst du nicht einfach, hier sprechen ja heute eh alle englisch?
a: ok - was heißt "sehen"?
ich: "to see", machst du gerade englisch-aufgabe? (a. hat nun schon eine ganze stunde englisch pro woche, also nach zwei jahren englischunterricht in der französischen schule muss man ein so ausgefallenes vokabel ja nicht wirklich wissen ...)
a: nein, in englisch haben wir nie was auf. was heißt "einmal"?
ich: "once"
a: was heißt "schon"?
ich:??? ... kind, willst du mir vielleicht sagen, wofür du das brauchst, dann tu ich mir leichter.
a: also, was heißt "hast du schon einmal gesehen?"
ich: "have you ever seen?"
a: das hast du aber zuerst nicht gesagt.
ich: das heißt aber so.
a. ok.
a. steht auf und verlässt schwammkopf (das will was heißen).
stellt sich vor unseren australischen gast (der in der küche japanisch kocht, aber das ist eine andere geschichte ... ich neige heute wirklich sehr zur weitschweifigkeit - ...)
jedenfalls sagte er dann zu ihm: have you ever seen a shark?
*
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Montag, 19. September 2005

kinderkino...

wenn ich mit a. ins kino gehe, ist unser nachfolgendes urteil fast immer sehr unterschiedlich. ihm hat es prinzipiell gefallen, und mir nicht. vielleicht bin ich ein wenig überkritisch, ich verstand ja nicht einmal, was alle an "findet nemo" so hingerissen hat. vielleicht sehe ich auch immer nur die jeweils allerschlechtesten kinderfilme (pokemon 425, madagaskar) und die anderen erwischt mein ex. aber heute hatte ich wirklich glück. "das wandelnde schloss" hat mir in jeder hinsicht auch gefallen. erstens ist es so richtig schön altmodisch gezeichnet - nicht diese ekelhaften pseudodreidimensionalen figuren. zweitens hat es eine richtig märchenhafte handlung. und drittens ist der synchronisierte text schön -und hier kann ich ja beim besten willen nicht das japanische original zum vergleich heranziehen.
so - und für die, die meiner empfehlung noch immer nicht ganz trauen, liste ich schnell die letzten drei bis vier nicht-kinder-kinofilme auf, die mir gefallen haben. daran könnt ihr euch ja orientieren - oder halt die vorher ohne kinder anschauen;-)
mein leben ohne mich
wilbur wants to kill himself
gegen die wand
kops
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Freitag, 16. September 2005

familienstand ungeklärt?

heute hat sich ein neuer kollege bei mir vorgestellt. nach dem geschäftlichen blabla betrachtete er die zwanzig bilder von a. an der wand in meinem büro und fragt mich: haben sie mehrere kinder? ich: nein, nur eins, aber das ist da verschieden alt. (wahnsinnig schlagfertig ..)
meine gegenfrage: haben sie auch kinder?
er: ja...
macht eine pause, sagt dann: das heißt nein..
ich schau ein bisschen irritiert.
er nach der zweiten pause: also eigentlich doch ja.
ich denk mir, er müsste es doch irgendwie wissen und ziehe meine rechté augenbraue besonders fragend noch höher.
er erklärt: naja, das kind ist nicht von mir, es ist von meiner freundin.
ich: achso, bei mir ist es so ähnlich.
er ganz verwundert und wirklich ernst: wie kann das sein?
ich fand die frage witzig - denn so viel anders ist die konstellation ja nicht. oder dachte er, ich hab das kind von meiner freundin? oder von seiner?
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Montag, 12. September 2005

wahnsinn?

der grund für den wahnsinn steckt in einer geschichte voller selbstverlust und selbstentleibung. er setzt ein süchtiges liebesverhältnis voraus, das seine wahrheit beherrscht, das in einem geschlossenen lebensraum anhaltend bestanden hat und im gedächtnis fortbesteht.
aber der wahnsinn besteht auch darin, dass er dieses machtverhältnis in sich selbst weiterführt und seine zwischenmenschlichen lebensverhältnisse hierunter fortbestimmt. es ist daher völlig falsch, dem wahn eine besondere wahrheit zu verleihen, als wäre er der schamane unter den eunuchen. der wahn verliert seine notwendigkeit nur dadurch, dass sich ein mensch - meist muss es der oder die betroffenen selbst sein - zwischen die mächte der aufgehobenen identität, zwischen dem nichts und nichts anderes als etwas anderes wirklich zu machen versteht, also als wirklich veränderter mensch fortbesteht.“
(Zitat nach: http://www.kulturkritik.net/Lex/w.html)

Das ist die beste Definition, die ich je darüber gelesen habe.
Und weil ich mich relaTIEF auch deshalb wieder einmal erinnert habe, wie das eigentlich war, das folgende Stückchen Vergangenheit:
*
ich lernte N. beim Schifahren kennen, wir wohnten 743 km entfernt voneinander. Nach 8 Jahren Fernehe habe ich mir zugetraut, eine Fernbeziehung zu führen. Ich unterschätzte die Sehnsucht dabei. Erster Fehler.
A. lernte N. gleich mitkennen. Und da N. am Anfang extrem nett zu ihm war, wurde er zu "seinem besten Freund über 30". In Wirklichkeit betrachtete er sich sehr rasch als sein Vater. So stellte er uns auch seiner Familie vor. "Das ist meine Verlobte, und das ist A., der wird ab jetzt mein Söhnchen sein!" Ich dachte nicht weiter darüber nach, warum er sein eigenes Kind nur alle zwei Wochen zwei Stunden unter Aufsicht sehen durfte. Ich gab mich mit der Erklärung, dass die Exfrau völlig daneben sei, zufrieden. Als Beweis führte N. unter anderem an, dass sie ihn im achten Monat der Schwangerschaft verlassen hätte. Zweiter Fehler.
Ich dachte auch nicht darüber nach, wieso sich eine seiner Exfreundinnen umgebracht hatte. Er sagte schließlich, das wäre nach ihrer Beziehung gewesen. Dritter Fehler.
"Wo ist bei dir der Haken?" fragte mich N. recht bald, und begann einen zu suchen. Er fragte immer wieder und wieder nach meiner Vergangenheit, und ließ sich alles, so genau ich konnte, schildern. Ich tat das. Lange Zeit (eigentlich bis zum Ende) gab es überhaupt kein anderes Thema mehr. Vierter Fehler.
Er machte mich für jedes Gefühl, für seine gesamte Befindlichkeit verantwortlich. Und ich fühlte mich dann auch wirklich so. "Wenn das mit uns nicht wird, bring ich mich um!" sagte er auch recht bald und ich glaubte ihm. Fünfter Fehler.
Wenn er konnte, begleitete er mich überall hin. Das erkärte er als Schutz für mich. Er wollte grundsätzlich wissen, mit wem ich was gesprochen hätte, und wenn er bei mir oder ich bei ihm war, musste er mich immer irgendwo festhalten. Außer am Klo war ich niemals alleine. Sechster Fehler.
Er hielt es nicht aus, dass ich (bevor ich ihn kennen lernte) einen Urlaub mit einer Freundin und deren Kind gebucht hatte. Dort könnten ja auch Männer sein. Ich zahlte die Stornogebühr. Siebter Fehler.
Er fragte mich, was es mir denn gebracht hätte, als ich nach 8 Monaten meine älteste Freundin zum zweiten Mal gesehen hatte. Ich hatte für niemanden mehr Zeit. Hundertster Fehler.
Er bestand darauf, dass ich alle meine Texte vor seinen Augen vernichte. Zweihundertster Fehler.
Er fragte mich zwei Wochen lang, was ich mir dabei gedacht hätte, den Mann vis a vis in einer Gondel anzulächeln. Ich konnte mich nicht einmal daran erinnern und rechtfertigte mich doch. Tausendster Fehler.
Ich stand vor meinem offenen Schlafzimmerfenster im fünften Stock und er schrie "Spring doch!" Das hab ich unterlassen.
*
In der psychosomatischen Klinik gab er sich als mein Ehemann aus. Ich wurde mit einer akuten Psychose eingeliefert und auf "multiple Schizophrenie mit paranoiden Elementen" diagnostiziert. Wie es wirklich ist, Wahnvorstellungen zu haben, weiß ich seit damals. Dass ich da unbedingt medikamentöse Behandlung brauchte, auch.
Später hieß es dann manisch-depressiv. Später hatte ich manchmal auch Panikattacken. Und viel später sagte die Psychiaterin zu mir: "Was ist schon eine Diagnose?" Und hieß es gut, dass ich mit allen Medikamenten aufhörte.
*
In unserem letzten Gespräch – und als ich wieder zur Besinnung gekommen war - sagte N. zu mir: "Aber du hast das alles zugelassen!" Dem kann ich bis heute nicht widersprechen. Obwohl ich jetzt viel mehr Distanz zu dem allem habe.
*
Der Streifen, den die Psychologen, Psychiater,… als "normal" definieren, der ist recht eng. Nicht jede Widrigkeit in meinem Leben macht mich gleich psychisch krank. Manchmal lasse ich auch – aber nur ein bisschen - Traurigkeit zu. Denn auch die gehört zu mir.
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hier fehlt was;-)

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