wie hältst du´s mit der religion?
Im Jahr drauf bekamen wir dann den Herrn Pfarrer in Religion und im quasi verpflichtenden Kommunionsunterricht. Der Herr Pfarrer konnte sehr anschaulich erzählen, ich lebte und litt mit bei seinen Geschichten, ich glaubte ihm alles bis zu Jesu Tod, nur dass das Ende dann doch ein gutes war, das glaubte ich ihm nicht. In diesem Jahr mussten wir alle jeden Sonntag zur Messe, von ihm persönlich kontrolliert. Meine Eltern stritten, wer mich denn begleiten müsse, an einen früheren gemeinsamen Kirchgang kann ich mich nicht entsinnen. Als die Kommunion näher rückte, mussten wir auch noch sämtliche Maiandachten besuchen - jeden Tag im Mai gab es eine, und ich glaube, die sind nicht nur für Siebenjährige ein wenig mühsam.
Die Wende begann mit unserem Wochenendhaus. Jeden Sonntag gingen alle Kinder im Dirndl oder im Trachtenanzug, genauso wie alle Eltern im Sonntagsstaat in die Kirche. Die Männer saßen rechts, die Frauen links, die meisten mit Kopftuch. Die Kirche war klein und immer voll. Nicht so gern saßen wir neben den Bäuerinnen, die rochen so anders als wir. Am weitesten vorne saß die einzige reichere Familie des Ortes, die sprachen mit allen anderen nicht viel. DIe Einheimischen unterhielten sich mit uns Wienern auch nicht viel, die Flüchtlinge schauten zu, dass sie so bald als möglich weiter flüchten konnten, und mit ihnen wurde - natürlich nur aufgrund der Sprachbarrieren - erst recht nicht gesprochen. Die Messen dauerten höchstens eine halbe Stunde, der Pfarrer war schon sehr alt, gebrechlich und recht wortkarg.
Und dann kam Pater T. aus Bulgarien. Sein Deutsch war ausgezeichnet, seine Bildung wahrscheinlich auch. Eine normale Predigt bei ihm dauerte 40 Minuten. Zu den höheren Feiertagen ordentlich länger. Er begann meistens bei der Jungfräulichkeit Marias und kam bis zu den notwendigen Reparaturen der Gartenzäune - mit vielen Exkursen dazwischen. Meistens dachte ich an etwas anderes. Oft genug kicherten wir über Dinge, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Die meisten Ostern lag noch viel Schnee, insbesondere am Karfreitag saßen wir oft fast drei Stunden auf den harten, kalten Bänken und warteten auf die Auferstehung. Die Buben stoppten die Predigtzeiten, die Männer gingen währenddessen gerne hinaus. Niemanden störte im Lauf der Jahre wirklich, dass der Pater T. ein wenig vom Ort entfernt zu einer Freundin und zwei Kindern kam. Bei unter tausend Einwohnern lässt sich halt nichts verbergen. Wirklich gram wurde ihm die Pfarrgemeinde erst, als er in der Predigt verkündete, dass er die Dienste der Dame, die für den Blumenschmuck sorgte, nicht mehr benötige.
In Wien kam ich zu den Pfadfindern und zu einem besseren Religionsunterricht. Von den Pfarrern und Novizen, die ich da im Lauf der Jahre kennen lernte, ließen sich vier von fünf laisieren.
Prof. L. (kein Geistlicher), der uns unter anderem Celan näherbrachte und es schaffte, dass auch die "Abgemeldeten" in der Klasse blieben, weil sie mitreden wollten, gab seinen Beruf auch auf. Er zweifle für seine eigenen Maßstäbe zu viel, sagte er uns zum Abschied, die Texte, die er uns mitbrachte, hob ich zwanzig Jahre lang auf.
Und irgendwann fiel mir auf, dass es vielleicht sinnvoller wäre, statt immer nur den Satz "Ich glaube an die Heilige Katholische Kirche" im Glaubensbekenntnis auszulassen, darüber nachzudenken, ob ich sonst noch an irgendetwas glaubte. Wenig kam heraus, eine Grundidee, dass es vielleicht Dinge gibt, die wir nicht verstehen. Eine Art Respekt vor einem brauchbaren Regelwerk für halbwegs anständiges Verhalten. Das hätten aber andere Religionen im Prinzip auch. Viel Zynismus, an dem der Professor, dessen Spezialgebiet das frühe Christentum und die Häretiker waren, keinen geringen Anteil hat.
Ich bin recht spät aus der Kirche ausgetreten, ein kurzer Akt, den man bei uns am Magistrat bekannt gibt. Der zuständige Beamte hatte nicht etwa Akten auf seinen Regalen stehen, sondern nur Steine. Jeder feinsäuberlich mit Funddatum und Herkunftsberg beschriftet.
@ la-mamma
Nach zunächst sehr intensiver & engagierter 'Dienstleistung' in Kinder- und Jugendorganisationen in der / für die (ev.-luth.) Kirche wurde mir die Endlichkeit & Verlogenheit des Strebens der Vertreter Gottes und ihrer Gehilfen (!) deutlich ....
Mit 21 konnte man - per Erklärung gegenüber einem Richter (das geht heute hier auch sehr viel einfacher) - seinen Austritt bewirken, seither halte ich es mit dem Motto: "Tue recht und scheue niemand" (№ 55*) - und das auf der Basis der 10 Gebote, wobei ich zugeben muß, daß das nicht immer 100%-ig gelingt ....
* Die christlichen Lebensregeln des Johann Rittmeyer № 51-55
die 10 gebote
zu deinem motto: viel sicherheit, was recht ist, gibt dir natürlich die religion. ich kenne sehr liebe und sehr gute menschen, die anscheinend weniger probleme haben, "das richtige" zu tun, eben weil sie sich in so einem festen wertegefüge befinden. auch wenn es ein "vorgefügtes" ist.
bitte der Satz aus dem Glaubensbekenntnis heißt eigentlich
"Ich glaube DIE heilige katholische Kirche" - und DAS sind alle Gläubigen die Heil bringen, was wir alle mehr oder weniger tun -
so und nun hab ich mich auch schon geoutet, als Gläubige - aber DAS ist etwas was mich immer und in jeder Lebenslagen getragen, gestützt und sonst wie am Leben hielt - ohne meinen Glauben wär ich heute nicht DIE, die ich bin
wobei meine Gottheit ein bissal ein anderer als der, der katholischen Kirche ist, wär sie so wie dort dargestellt, wär sie keine Gottheit (UND ich sage bewusst Gottheit) - ich glaube da an eine unendlich gütige uns wohlgesonnene Energie, die uns beschützt, die mich annimmt, wie ich bin und eben trägt ..........
wieder was gelernt -
zum getragenwerden: das ist auf jeden fall etwas schönes, und hat für mich viel damit zu tun, ob man sich selber erträgt. und wenn das passt, dann komme ich zu einer gewissen "heiteren gelassenheit" - mit oder ohne gottesvorstellung. wobei ich glauben bei anderen natürlich respektiere - genauso wie echte frömmigkeit, um eine noch "ungebräuchlichere" eigenschaft zu nennen.
uuii "Frömmigkeit" ich fürchte DAVON bin ich weit entfernt ;)) - natürlich ist es so, dass "Getragenwerden" auch ohne Gottesvorstellung geht, auf jeden Fall und auch ich respektiere jede/n die/der das einfach so spürt bzw. auch eine andere Vorstellung von Gott oder wie auch immer sie/er ihn nennt !!!
Standardfall ?
Viel brauchte es nicht, um zur Erkenntnis zu gelangen: die Wahrheit findet sich nicht in der Kirche .
und dafür lohnt es sich meiner Meihnung nach etwas zu tun, dass Glaube etwas ist, dass gelebt werden kann, dass ich ihn Jugendlichen so näher bringen kann, dass sie ein Bild davon haben, was Gemeinschaft, Respekt, Vertrauen ist und ausmacht !!!!!
hach du immer mit deinen Nachträgen, da weiß frau ja nie welchen Worten sie antwortet
PS: wie machstn das, dass der Text so hübsch rot ist ???
und wo sind die, die was dafür tun ?
und welche rolle spielen sie im
übergeordneten gesamt?
sorry, aber dort, wo du stehst,
stand ich vor langer zeit auch mal.
geschert hat's niemanden von jenen,
auf die ich vertraute.
OT / zur Textfarbe
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Ich kann auch in verschiedenen Farben schreiben ....
Jede/-r kann in verschiedenen Farben schreiben .... Das geht über Xinha (Link zur 'download'-Seite) - ein Programm, das als Plug-in zu Firefox arbeitet .....
@wvs: DANKESCHÖN für das Lüften des Geheimnisses
@lovhunter: ;-p ätsch nix mehr mit "only-the-lonly-lovehunter-writes-red" ;))))
vor allem, nachdem die Gebühren bei diesem Fernsehprogrammen eh meist umsonst sein sollten ;)))
sehr bedenklich;-)
bei Frau testsiegerin hab ich gerade mein Kommentar und diesen Witz http://sternenstaub.twoday.net/stories/4243789/main hinterlassen, welcher hier auch gut herpasst - find ich ;))))


wie hältst du´s mit der religion?
ist religion gut oder schlecht?
könnt ich nicht beantworten, mal so, mal so würd ich meinen.
sicher hat religion in vielen fällen menschliche gemeinschaften zusammengehalten und not und leid erträglicher gemacht, aber auch fürchterliches leid verursacht und kriege entfesselt.
wenn sich menschen fragen, an welchen gott glaubst du fangen schon die probleme an.
besser wäre dies: hallo du, wir atmen dieselbe luft, so lass und freunde sein.
ich bin ja auch in so einer umgebung aufgewachsen wie du es beschreibst, aber antworten auf die wichtigen fragen hab ich dort nie bekommen, dogmen wurden vermittelt, mehr nicht.
viel interessanter waren dann für mich die bücher die ich fand, jogananda oder vivekananda, die überlieferten reden von jesus, hesses siddharta, milarepa oder das tibetanische totenbuch, um nur einige zu nennen.
schon in recht jungen jahren wurde mir eine ganz, ganz alte, überlieferte technik gezeigt wie man mit sich selbst in kontakt kommt, wie man die sinne von der aussenwelt auf das innere richtet und alle fragen die ich hatte finden darin eine antwort, nicht als gedanke, sondern als erfahrung die sich sprachlich kaum mitteilen läßt, seither versenke ich mich täglich mindestens eine stunde darin, bin ganz im hier und jetzt, die zeit lößt sich auf, eine erfahrung von unendlichkeit, kein anfang, kein ende, nur reines sein.
bin ich deswegen ein besserer mensch?
ich kann das nicht beurteilen, ist auch nicht der sinn der sache, aber ich hab was davon, sehr viel sogar, sehr, sehr viel!
sollen sich andere streiten, diskutieren, gut und schlecht abwägen.
die wahrheit ist immer ein stück dahinter!
antworten auf die wichtigen fragen,
und es ist bestimmt gut, im hier und jetzt zu leben, ein offenes auge und ohr für andere zu haben, oder eben herr "creature" zu sein;-)
aber bitte was ist eine "eklektische esoterik" ..?
@ creature (als kleiner Service)
eklektisch = aus unterschiedlichen Quellen schöpfend; auswählend, aus verschiedenen Vorlagen einzelne Elemente herausgreifend und zu einem neuen Ganzen zusammenfügend.
esoterisch = eine für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis bestimmte philosophische Lehre.
besser hätt ich das auch