10.
Monatelang konnte ich nicht aufstehen, machte nur das Allernotwendigste, befand mich immer wieder im Krankenstand. Ich hatte einen leichten Autounfall, die Psychiaterin erklärte mir, ich dürfte bei meiner Medikamentation überhaupt nicht fahren.
Und dann ging ich wieder hinaus.
Ich drehte seit langer Zeit wieder einmal den Computer auf. Günter ist der Ansicht, das Internet hätte unsere Ehe ruiniert. Dazu beigetragen hat es auf jeden Fall.
Anders hätte ich Thomas wohl kaum gefunden. Und mich schon gar nicht in ihn verliebt. In einer seiner ersten e-mails stand noch, dass er mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern in Graz lebte. Daher hatte ich keine Bedenken, mich auf einen Dialog einzulassen. Ich war damals bereit, Günter eine zweite Chance zu geben – wir wollten ein zweites Kind und bald umziehen. Wie schon lange Zeit zuvor, kam er aber fast nie nachhause. Ich wurde nicht schwanger und machte mir Sorgen. Denn ich wollte mit dem zweiten Kind etwas gutmachen. Leider ist das nicht möglich. Nur bezahlen muss ich, ich versuche, jedem soviel Liebe zu geben, wie ich kann, das mag eine seltsame Buße sein, aber die hab ich mir auferlegt.
Die Mama sitzt neben dem Spielplatz und schaut dem Florian zu. Zuerst geht der Florian zu den Ringen, zum Rutschen ist er schon zu groß, findet er. Dann will der Florian auf dem Karussell gedreht werden und ruft die Mama. Da sieht er neben der Mama einen Mann sitzen, mit dem sie sich unterhält. Die Mama kommt sofort und gibt dem Karussell einen ordentlichen Schubser. „Noch mehr?“ fragt die Mama. „Schneller, Mama“, ruft der Florian und die Mama lacht und rennt die halbe Runde mit. „Ich kann nicht mehr“, sagt die Mama und geht zur Bank zurück. Der Mann ist dort sitzen geblieben und sie reden weiter. Der Florian dreht sich noch ein bisschen, dann läuft er auch zur Bank. „Das ist der Thomas“, sagt die Mama. Na und, denkt der Florian, wieso schaut der mich gar nicht an. „Ich will heim“, sagt der Florian. „Kein Problem, mir ist eh schon kalt“, sagt die Mama. Wie sie dann wirklich gehen, gibt die Mama dem fremden Mann ein Bussi.
„Ich mag den Thomas nicht,“ sagt der Florian. „Aber ich“, sagt die Mama leise, „und außerdem gehst du doch gerne ins Museum!“ Das stimmt schon und der Florian weiß, was es heißt, wenn die Mama sagt, sie hat etwas fest ausgemacht. Wie sie dann dort sind, rennt der Florian viel herum und zeigt dem größeren Buben alles mögliche, denn er war schon vorher einmal da.
Ein anderes Mal schauen sie sich gemeinsam ein Kraftwerk an. Da sind viel zu viele Leute, die Mama vom Florian macht das ganz nervös. Da läuft er mit dem großen Sohn vom Thomas, dem David, ein bisschen voraus und merkt gar nicht, dass ihn die Mama schon längst nicht mehr sehen kann. Als sie ihn findet, lacht sie. Zuhause fragt sie ihn, ob ihm der Ausflug gefallen hat. „Der David ist nicht mein Freund“, sagt der Florian und mag nicht mehr drüber reden. Schade, sagt die Mama und liest zwei ganze Kapitel vor dem Einschlafen.
Thomas hat mich zum Schreiben gebracht. Schön langsam denke ich, ich bin die Alma Mahler-Werfel mit Penis. Umarm dich, Kla.
Und dann ging ich wieder hinaus.
Ich drehte seit langer Zeit wieder einmal den Computer auf. Günter ist der Ansicht, das Internet hätte unsere Ehe ruiniert. Dazu beigetragen hat es auf jeden Fall.
Anders hätte ich Thomas wohl kaum gefunden. Und mich schon gar nicht in ihn verliebt. In einer seiner ersten e-mails stand noch, dass er mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern in Graz lebte. Daher hatte ich keine Bedenken, mich auf einen Dialog einzulassen. Ich war damals bereit, Günter eine zweite Chance zu geben – wir wollten ein zweites Kind und bald umziehen. Wie schon lange Zeit zuvor, kam er aber fast nie nachhause. Ich wurde nicht schwanger und machte mir Sorgen. Denn ich wollte mit dem zweiten Kind etwas gutmachen. Leider ist das nicht möglich. Nur bezahlen muss ich, ich versuche, jedem soviel Liebe zu geben, wie ich kann, das mag eine seltsame Buße sein, aber die hab ich mir auferlegt.
Die Mama sitzt neben dem Spielplatz und schaut dem Florian zu. Zuerst geht der Florian zu den Ringen, zum Rutschen ist er schon zu groß, findet er. Dann will der Florian auf dem Karussell gedreht werden und ruft die Mama. Da sieht er neben der Mama einen Mann sitzen, mit dem sie sich unterhält. Die Mama kommt sofort und gibt dem Karussell einen ordentlichen Schubser. „Noch mehr?“ fragt die Mama. „Schneller, Mama“, ruft der Florian und die Mama lacht und rennt die halbe Runde mit. „Ich kann nicht mehr“, sagt die Mama und geht zur Bank zurück. Der Mann ist dort sitzen geblieben und sie reden weiter. Der Florian dreht sich noch ein bisschen, dann läuft er auch zur Bank. „Das ist der Thomas“, sagt die Mama. Na und, denkt der Florian, wieso schaut der mich gar nicht an. „Ich will heim“, sagt der Florian. „Kein Problem, mir ist eh schon kalt“, sagt die Mama. Wie sie dann wirklich gehen, gibt die Mama dem fremden Mann ein Bussi.
„Ich mag den Thomas nicht,“ sagt der Florian. „Aber ich“, sagt die Mama leise, „und außerdem gehst du doch gerne ins Museum!“ Das stimmt schon und der Florian weiß, was es heißt, wenn die Mama sagt, sie hat etwas fest ausgemacht. Wie sie dann dort sind, rennt der Florian viel herum und zeigt dem größeren Buben alles mögliche, denn er war schon vorher einmal da.
Ein anderes Mal schauen sie sich gemeinsam ein Kraftwerk an. Da sind viel zu viele Leute, die Mama vom Florian macht das ganz nervös. Da läuft er mit dem großen Sohn vom Thomas, dem David, ein bisschen voraus und merkt gar nicht, dass ihn die Mama schon längst nicht mehr sehen kann. Als sie ihn findet, lacht sie. Zuhause fragt sie ihn, ob ihm der Ausflug gefallen hat. „Der David ist nicht mein Freund“, sagt der Florian und mag nicht mehr drüber reden. Schade, sagt die Mama und liest zwei ganze Kapitel vor dem Einschlafen.
Thomas hat mich zum Schreiben gebracht. Schön langsam denke ich, ich bin die Alma Mahler-Werfel mit Penis. Umarm dich, Kla.
la-mamma - 8. Jul, 22:20
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