Samstag, 2. Februar 2008

nachgelesen ...

und zumindest für herrn wvs „zusammengetragen“


„Vernunft ist der Blick in den Abgrund unserer Möglichkeiten“ ("Billy")

Der Standpunkt der „Hirnforscher“: Menschen besitzen die Fähigkeit zur Selbstbewertung der eigenen Handlungen und zur sich daraus ergebenden erfahrungsgeleiteten Selbststeuerung, der Autonomie. Laut Gerhard Roth würde "eine wirkliche Willensfreiheit der Arbeit dieses überlebenssichernden Handelns fundamental widersprechen." Er verweist auch auf David Hume: Willensfreiheit im starken Sinne des Alternativismus ist höchst unvernünftig, denn dies hieße sich NICHT an die eigenen Erfahrungen zu halten.
Menschen fühlen sich frei, wenn sie das tun können, was sie zuvor wollten, die Frage nach der Freiheit des Wollens wird von ihnen erlebnismäßig gar nicht thematisiert. Deshalb argumentiert Roth weiter, dass in Hinsicht auf Schuld und Verantwortung (die der Begriff der Willensfreiheit ja impliziert) der Täter wissen musste oder hätte wissen müssen, dass er Unrecht begeht, also seine Tat freiwillig begeht.
Kernaussage ist jedenfalls, dass sich die gesellschaftliche Natur des Menschen aus seiner biologischen ergibt und nicht umgekehrt und deshalb die gesellschaftliche Natur des Menschen ohne seine (neuro)biologische nicht verständlich sei. Das ist aber nicht mit einer völligen biologischen Determiniertheit menschlichen Verhaltens zu verwechseln.


Die Konstruktivisten dagegen sagen zum Beispiel mit Paul Watzlawick, dass „die Wirklichkeiten anderer genauso viel Berechtigung wie die eigene(n) haben UND dass sich aus dem Konstruktivismus auch das Gefühl der absoluten Verantwortlichkeit ergibt. Wenn ich meine eigene Wirklichkeit herstelle, bin ich für diese Wirklichkeit verantwortlich, und kann sie nicht jemandem anderen in die Schuhe schieben.“ Heinz von Förster sagt es ganz plastisch, dass „ethische Fragen nicht im Lehrstuhl besprochen werden können, sondern sich in einer konkreten Situation ergeben. Er weist darauf hin, dass er ein Mensch ist, der nach seinem eigenen Gewissen handelt.
Zitiert wird er auch manchmal mit: „Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“ Und erklärt das auch: “Es wäre gut, sich so zu verhalten, dass sich die Freiheit des anderen und der Gemeinschaft vergrößert. Je größer die Freiheit, desto größer die Wahlmöglichkeiten und desto eher ist für den anderen überhaupt die Chance gegeben, für die eigenen Handlungen Verantwortung zu übernehmen. Nur wer frei ist, und immer auch anders agieren könnte, kann verantwortlich handeln.

Aus einem ganz anderen Buch über Verhalten, das ich aber leider schon vor langer Zeit zurückgeben musste, habe ich mir nur einen einzigen Satz gemerkt, weil ich über ihn immer wieder nachdenke. Der Autor behauptete, dass es fast kein denkbares menschliches Verhalten gebe, dass nicht irgendwo „die Norm“ sei. Da wird es egal sein, wo allfällige Außerirdische landen. Verstehen können wir einander selbst schon schwer genug.
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Freitag, 1. Februar 2008

love me gender

habe ich heute zweimal als überschrift gelesen. bei frau hammerl im profil, deren kolumnen ich meist recht gelungen finde, zum ziemlich traurigen anlass, dass in ö der frauenanteil in spitzenpositionen in den letzten fünf jahren deutlich gesunken ist! wahrscheinlich wirkte sich meine ehemalige in pension gegangene direktorin mit ungefähr 0.3 prozentpunkten aus, wenn ich mir die illustren führungskräfterunden so ansehe ...

das zweite mal hat mich aber noch viel mehr irritiert. ich gehöre ja zu den leuten, die kaum etwas ungelesen lassen können. diese meine absurde sucht, die mich nie etwas kleingedrucktes übersehen lässt, die mich meistens auch noch alle annoncen zumindest überfliegen lässt, die mir garantiert, dass ich selbst mit dem telefonbuch ein wenig unterhaltung finde - dieser mein respekt vor dem geschriebenen ließ mich heute in einem versandhauskatalog die bildtexte bemerken. da standen nicht etwa preise, größen und farben, nein "love me gender" übertitelte folgenden erguss:
"holzfäller mike hat in seinem badezimmer unlängst seine weibliche seite entdeckt. nach immer stärkeren panikanfällen in immer kürzeren abständen entschloss er sich endlich, sie einfach rauszulassen. als sie dann so vor ihm stand, stellten beide fest, dass sie doch ganz gut zusammenpassen. seither wohnt sie bei ihm und liegt tagsüber am pool".
- und genau so ist "sie" auch fotografiert, am einmetersprungbrett lasziv liegend. das fußketterl, das zusätzlich in küche und schlafzimmer reicht, wohl kokett unterm kleid versteckt.

ein weiteres beispiel dieser (nur mir?) völlig neuen art von gebrauchslyrik gefällig?
unter "coole drinks und heiße action: geheimtipp: alle mädels, die an lustigen prügeleien zwischen starken männern mit verschwitzten oberkörpern gefallen finden und für jeden drink die hälfte zahlen wollen, treffen sich jeden montag zwischen 16 und 19 uhr im club happy hauer."
mhmm. daneben kleider mit blümchen, kleinen strasssteinchen und die lässige ringelstrickjacke. manchmal komme auch ich mir ein wenig masochistisch vor.

eines noch im ganzen, dann hör ich auf hier fremde federn zu teeren oder so ähnlich: lost in france: after dr. mottenkugel on all großen raves in the world seine messages already in all minds of the free freaky party people gebeamt hat, taket e sich a short break in the grand party nation number one to celebrate seinen first tophit "with a little help from my france". das t-shirt daneben hätte dann ein victoryzeichen im amerikanischen flaggendesign zu bieten.

jeder weitere text natürlich auch mit mindestens einem weiteren highlight: "don´t mess with a politesse" "die diva mit der riva", "die deutsch-französin heidi-heida" usw. usf. sollten auch mich endlich die "get-away-cola mit 100% fluchtsaft" austrinken lassen. nur die benetton-werbung ist mri noch eingefallen. so zum vergleich.

und da kann die arme frau hammerl schreiben was sie will, wenn wir weiblichen tschapperln tatsächlich ... also bestellen werde ICH nichts, gelesen hab ich alles. mit mittelbelustigtem grauen.
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Donnerstag, 31. Januar 2008

was von uns bleibt ...

ich kannte einmal einen guten, der nannte sich samuelgott.

weil ich im letzten jahr auf zu vielen begräbnissen war, weil mich der partezettel meiner langjährigen tennispartnerin endlich doch erreicht hat, weil ich die ehre hatte, auch herrn sg vor seinem tod persönlich kennen gelernt zu haben, habe ich heute nur diesen einen nick dieses einen herrn gegoogelt. und das gefunden:

"spiele sind dazu da, um gespielt zu werden, soll so sein, wenns jemand spass macht, freu ich mich gerne mit. auch wenns peinlich ist, wäre ich einer etwaigen erklärung nicht abgeneigt. nur so zum spass. hab i gwonnen oder verloren, oder ist das gar nicht sinn dieses spiels, oder ists bloss ein amüsanter zeitvertreib für einsame stunden und gemüter, oder bin ich irrtümlich in einen krieg der sterne hineingeraten, oder treibt freund alex sein spiel mit mir, oder ist es bloss fiktive illusion oder ein teil des brainstormings, oder hat jemand die falsche programmwahl getroffen, oder ist am-das-des neuerdings virtuell ausgeartet, oder spiel ich gar nicht mit, oder will man mir überraschenderweise einen siegerscheck in naturalien überreichen????
was solls, ich lasses einfach stehn. alles hat seinen sinn. schon allein aus nostalgischen gründen. für später mal, wenn ich mal im rollstuhl meine ausflüge starte oder als weltraumtourist im weiten universum meine endlosen runden ziehe. einfach zur erinnerung.......
ich liebe euch alle, glaub ich halt!?!?"


eigentlich schön, solche sätze hinterlassen zu haben ...
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Dienstag, 29. Januar 2008

lies mal wieder

muss man mir nicht so unbedingt sagen. vor allem wenn ich um halb vier uhr morgens ein buch anfange, und es dann bis zum ende nicht aus der hand legen kann. frau nicole krauss erzählt "die geschichte der liebe" - ich war ganz fertig als ich sah, dass die autorin fast zehn jahre jünger ist als ich und sich glaubwürdig in figuren hineindenken kann, die von fünfzehn bis 87 sind. alles hab ich - aufgrund leichter müdigkeit - ja vielleicht gar nicht mitgekriegt, aber unter umständen lese ich das ganze einfach noch einmal;-)

Bild-12

auch nicht schlecht und mit "ganz anderem" deutschen titel mein gerade vorher ausgelesenes:
die einsamen schrecken der liebe - jonathan meek

heut vergönnt hab ich mir - statt nur : das(!!!) da zu lassen:
"die korrekturen" von herrn frenzen, weil es mir schon so viele leute empfohlen haben und "die mittagsfrau" von frau frank, weil ich den titel und die autorin dank eines buchhändlerblogs, das ich im gegensatz dazu jetzt nicht wiederfinde, wieder gefunden hab!

*
und weil meine "rezensiven"
beiträge eh fast nie kommentare kriegen, werf ich einmal probehalber so eine art stock in die werte leserschaft:

das beste buch, das du letztes jahr gelesen hast?
ein buch, das du mehr als dreimal gelesen hast?
ein buch, das du mehr als einmal verschenkt hast?
ein buch, dessen autor du persönlich kennst?
ein buch, das du nicht fertig gelesen hast, und über das du dich aber so geärgert hast/von dem du so enttäsucht warst, dass du den titel noch weißt
ein buch, das du MIR empfiehlst, weil ...
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Sonntag, 27. Januar 2008

ich will ein neues auto!

messer

neuer messerschmitt modell 1955 stop kabriolett stop kette im oelbad stop rückwärtsgang stop panoramascheibe stop innenraum vergrössert stop spitze 100 km stop e-anlasser n.w. warmluftheizung

originalinserat merian-heft 1955 stop auto wahrscheinlich heute viel wert stop müssen daher dringend buchverkauf ankurbeln stop telegramme bei uns auch nicht mehr moeglich stop aber
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Samstag, 26. Januar 2008

welche sprache spricht europa?

Der aktuelle Zugang.
„Pimperanto“ sagt der H. Das sei doch ganz einfach. Und räkelt sich weiterhin in der Sonne in Ostia am Strand. Genau, das ist überall gleich …
Immerhin kenne ich „Das kleine Arschloch“ auch, unser Bildungswettstreit nimmt seltsame Formen an. Naturwissenschaftlich ist er eindeutig besser beschlagen. Das hindert ihn aber nicht daran, auch zu wissen, wie schwer es ist, Fresken zu erhalten. Dafür kann ich genügend Italienisch, um den Artikel über den Aufstieg Roms weiter zu lesen. Und ich weiß, dass es jetzt p.c. ist, indoeuropeisch zu sagen …
*
Der biografische Zugang.
Die Eltern meiner Eltern kamen aus Ungarn, aus Slowenien, aus Niederösterreich und aus Oberösterreich. Die Eltern der Eltern meiner Eltern hießen Kohn, Szohary-Csekefalvay, Niederleithner und Bender. Weiter zurück weiß ich nicht. Die Kohns ließen sich taufen, das nützte 1938 recht wenig, in der HJ hat dieser Urgroßvater niemanden gestört, aber ins Gymnasium durfte mein Vater nicht weiter gehen. Der andere Großvater ist aus Russland nicht zurückgekommen, die Großmutter dazu ließ ihn 1977 für tot erklären. Mein Vater ist ein Monarchist geworden, dabei ist er doch auch nur Jahrgang 1929. Ich habe das alles nicht erlebt. Wenigstens zweisprachig erziehen hätten sie mich können – aber die slawischen Sprachen waren ja „nicht so wichtig“.
*
Der Hellwagstraßenzugang.
Ich lebe in einem Mietshaus mit 60 Wohnungen. Wir zählten einmal – es werden auf unseren drei Stiegen genau 17 verschiedene Sprachen gesprochen. Die „Unocity“ ist nicht allzu weit entfernt, der nette Herr aus Sri Lanka aus dem dritten Stock ist einer der ranghöchsten Militärs. Jahrelang dachte ich, er sei Chauffeur, denn er hat den Nebenparkplatz und die Autos wurden so eifrig gewaschen und wechselten so häufig. Die Eltern einer entzückenden Freundin meines Sohnes aus dem sechsten Stock kommen aus Polen, zu uns sind sie aus dem Flüchtlingslager gekommen. Er fährt die Liliputbahn im Prater, sie ist Krankenschwester. Jede dritte Wohnung wird von der Gemeinde Wien vergeben. Der Mann der Ägypterin im dritten Stock behauptete, seine Frau könne nicht deutsch. Ich habe schon oft mit ihr geredet, es stimmt nicht.
*
Wo hört Europa auf? Wo fängt Europa an?
Bei Anna. Anna ist gebürtige Weißrussin, aber auch Polin, sie hat ihren Mann in Warschau kennen gelernt, dort durfte sie studieren. Sie spricht russisch, polnisch, englisch, französisch und deutsch. Und das akzentfrei. Außerdem wollte sie Pianistin werden. Und jetzt lebt sie schon acht Jahre in Wien.
Am Jakobsweg. Dort ist schließlich das Ende der Welt – für die Kelten zumindest.
Bei Alexander. Alexander war staatenlos, bis ihn ein österreichisches Ehepaar adoptiert hat. Seine leibliche Mutter war eine Türkin. Die Adoptivmutter lernt türkisch – falls ihr Sohn je danach fragen sollte, wo er eigentlich herkommt.
An irgendeinem Fluss, der einem zumindest bei den bei den Kreuzworträtseln einfallen sollte.
Bei dir.
Bei mir.
Bei uns.
*
Was wir sagen, ist bestenfalls eine Absichtserklärung.
Wir verwenden arabische Ziffern.
Wir schweigen in allen Sprachen gleich.

den text hab ich grad wiederentdeckt, ist aber eh "zeitlos". und


ceterum censeo,

dass auch nicht-wienerisch sprechende mit
DEM hier verlinkten WERK
ihre freude haben werden ...

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Freitag, 25. Januar 2008

mögen sie wien?

dann lesen sie den vorigen beitrag;-)
*
gestern sitze ich beim zahnarzt und schmökere unauffällg im
WERK. die mir am nächsten sitzende ebenfalls leidende ältere dame schaut noch unauffälliger mit.
*
"mögen sie wien?"
"na! überhaupt ned!"
ich denke mir, aha - ganz wie -
"ganz wie meine mama, die lebt schon über vierzig jahre hier, und kennt sich noch immer nicht aus."
*
die dame schaut weiter mit, ich biete ihr an, dass sie das WERK selber durchblättern kann.
sie kennt vieles, sie äußert sich sehr lobend über die qualität der bilder, die interessanten perspektiven usw. usf. also eh alles, was im vorigen beitrag ...
ich bin erstaunt, was für ein detailwissen sie hat. was hat ihr unsere stadt nur angetan?
*
sie gibt mir das buch zurück.
"sehr schön, sehr schön, wirklich ganz großartig!"
"aber sie mögen wien ja gar nicht!"
"ich muss ihnen was gestehen: ich hör schlecht. ich hab ganz was anderes verstanden: nämlich: mögen sie wild?"
*
wieso ich eine wildfremde patientin im wartezimmer ausgerechnet danach hätte fragen sollen, frage ich mich jetzt noch immer ....
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Dienstag, 22. Januar 2008

we proudly present -

das buch ist fertig!!! die homepage ist fertig!!!
vertriebspartner tätat ma noch suchen;-)
käufer auch!

myvienna

in meinem blog kann ich natürlich nur auf mich als hobby-verfasserin von pressetexten hinweisen. besonders objektiven natürlich.


My Vienna von Heinz Szolarz
Ein Wienbildband der Extraklasse.

Heinz Szolarz gelingt es, den Zauber seiner Heimatstadt in jeder einzelnen seiner 76 großartigen Aufnahmen einzufangen. Er legt mit „My Vienna“ ein Wienbuch vor, das Einheimische und Touristen gleichermaßen faszinieren wird. Ungewöhnliche Perspektiven auf Bekanntes, verborgene Schätze, zahlreiche Nachtaufnahmen und teilweise auch recht launige Texte auf Deutsch und Englisch machen neugierig und lassen erahnen, was Wien so einzigartig macht.

Szolarz, der sich wünscht „dass die Vorübergehenden nicht mehr mit ihren Augen auf den Pflastersteinen kleben“, lehrt uns seine Art zu sehen. Unter recht prosaischen Überschriften wie etwa „Mehr blauer Himmel“, „Das Alte und das Neue“, „Das Café“, „Drinnen“ oder „Mehr Grün“ lädt er uns in etliche Wiener Bäder ein, er zeigt uns Innennansichten prunkvoller Säle und spannender Gemeindebauten, und er lässt uns aus seinem Küchenfenster hinaus- und in die interessantesten U-Bahn-Stationen hineinschauen. Er führt uns nach Steinhof und in den Augarten, vors Parlament und hinaus in die Donauauen, auf die Ringstraße und in die Vorstadt. Moderne Architektur wird oft im Zusammenhang fotografiert, hier sieht der Fotograf das Verbindende vor dem Trennenden. Er scheut sich auch nicht davor, Bilder von gerne Verdrängtem an den Anfang jedes seiner Kapitel zu stellen – er beschönigt nichts, obwohl aus jedem Bild gerade durch die Qualität der Photos die ungebrochene Liebe zur Stadt spricht.

Zu jedem Bild gibt es ein sorgfältig recherchiertes Glossar, neben den genauen Adressen und allen Öffnungszeiten auch die entsprechenden Weblinks und wo es passt, gleich noch ein paar Literaturhinweise.
Eine Bereicherung für jeden Wienfreund, ein ideales Geschenk für sich selbst und andere, ein Buch, das gerade weil es so vielfältig ist, besondere Freude bereitet.

My Vienna von Heinz Szolarz
Ein Wienbildband mehr?

Gehen Sie als Wiener einnmal mit offenen Augen durch die Stadt - schauen Sie dorthin, wo alle Touristen die Fotoapparate zücken oder greifen Sie gar nach dem in den Souvenirständen Feilgebotenen. Zuviel Kitsch? Zuviel desselben?

Heinz Szolarz legt ein Wienbuch der anderen Art vor. Handwerklich einwandfreie Aufnahmen, denen man durchaus auch den perfektionistischen Fotografen anmerken darf. Die Bildauswahl erfolgt sehr subjektiv. Die Stadt liegt ihm am Herzen, er müht sich redlich, auch das Verdrängte zu dokumentieren. Warum gerade bei diesen Bildern die deutsche und die englische Version seiner Begleittexte erhebliche Unterschiede aufweisen, erklärt der Autor allerdings nicht. Zuweilen klingt er ein wenig pathetisch, und irgendwie passt auch das bestens zur Stadt. Ansonsten wunderschöne Bilder von Plätzen, die man nicht kennt, und Bilder von Bekanntem, das man so wiederum auch noch nicht gesehen hat. Ein Streifzug durch U-Bahnstationen, Kaffeehäuser, Parkanlagen, moderne und alte Architektur, vielleicht ein bisschen durcheinander im Hauptteil, aber sorgfältig beschrieben im Glossar. Unter recht prosaischen Überschriften wie etwa „Mehr blauer Himmel“, „Das Alte und das Neue“, „Das Café“, „Drinnen“ oder „Mehr Grün“ lädt er uns in etliche Wiener Bäder ein, zeigt uns Innennansichten prunkvoller Säle und spannender Gemeindebauten, lässt uns aus seinem Küchenfenster hinaus- und in die interessantesten U-Bahn-Stationen hineinschauen. Er führt uns nach Steinhof und in den Augarten, vors Parlament und hinaus in die Donauauen, auf die Ringstraße und in die Vorstadt. Moderne Architektur wird oft im Zusammenhang fotografiert, hier sieht der Fotograf das Verbindende vor dem Trennenden.

Resümee: Dieser Bildband ist eine Bereicherung für jeden Wienfreund, ein ideales Mitbringsel für Wiener und Nichtwiener. Am Titelbild die Strudlhofstiege – auch hier wie bei Doderer „im unregelmäßigen Blätterschatten, mit ihren von überhangenden Zweigen und Laubgekuppel unterbrochenen und gemilderten Konturen“. Diese Nachtaufnahme als Metapher für die offensichtlichen und verborgenen Glanzlichter dieser Stadt, die Szolarz für uns alle wiederentdeckt hat.

Heinz Szolarz, My Vienna
Eigenverlag, Vertrieb: noch offen
ISBN 978-3-200-01104-5
176 Seiten, vollfärbig, gebunden, 30 x 21 cm
32 Euro
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hier fehlt was;-)

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