Rezension der Rezension
ausdrücklich erwünscht!
Kleine Erklärung: Da das Buch noch nicht erhältlich ist, stelle ich meine Rezension einfach hier zur Diskussion. Findet ihr sie ausreichend? Ich darf sowieso unbeeinflusst drüber schreiben, und mir danach das Buch behalten - mehr Bedingungen gab es nicht.
Und ich hab das Buch auch wirklich gelesen!
Dieses Buch ist die Chronik einer großen jüdischen Familie, sorgfältig recherchiert und zusammengetragen von einem aus der „Generation der Enkel“. Die Sätze sind knapp, dadurch dass die Erzählzeit oft springt, wird dieser Bericht manchmal vielleicht ein wenig unübersichtlich.
Gleichsam umrahmt wird die Geschichte der Familie von der Schilderung des ungeklärt gebliebenen Mordes an Richard Graubart - der erste Teil schildert 1938 hauptsächlich aus Sicht der Opfer, der zweite Teil enthält eine lange Rückblende zur galizischen Herkunft ausgeweitet auf die Geschichte der Ansiedlung von Juden in Tirol und dem Aufschwung des Wintertourismus, von dem auch der mutmaßliche Mörder lebte.
Der dritte Teil beginnt mit Richard Graubarts Geburtsjahr 1899 und endet mit seines Vaters Tod 1936. Dazwischen erleben die älteren Brüder den ersten Weltkrieg, Gefangenenlager in Russland für den einen, Südfront schließlich auch noch für den jüngsten.
Im letzten Teil viel über die Täter, über deren Ausflüchte, Rechtfertigungen, Begnadigungsgesuche und über den Umgang mit ihnen bis weit in die Sechzigerjahre hinein. Auch viel über die Methoden der jeweiligen österreichischen Bundesregierungen, Restitutionen zu verhindern oder zu verzögern.
Christoph Bauer versucht nicht um unser Mitleid zu heischen, er dokumentiert und überlässt es dem Leser, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ich fand es schade, dass gerade durch den Versuch, die Schicksale aller Familienmitglieder in ihren Umgebungen und Lebensumständen von Lemberg über Innsbruck bis London zu erzählen, viele Personen nur kurz erwähnte Namen bleiben mussten. Hier wirkt das Buch oft sehr distanziert, obwohl es dem Autor keineswegs an Respekt vor den Opfern mangelt.
Seine klare Sprache macht es leicht lesbar, die eher nüchterne Schilderung macht es zu einem wichtigen und richtigen geschichtlichen Dokument. Vielleicht gelingt es dek Autor auch gerade dadurch, dass alle eigenen Mutmaßungen auch als solche erkenntlich sind, dem Unfassbaren gerecht zu werden.
zu:
Kleine Erklärung: Da das Buch noch nicht erhältlich ist, stelle ich meine Rezension einfach hier zur Diskussion. Findet ihr sie ausreichend? Ich darf sowieso unbeeinflusst drüber schreiben, und mir danach das Buch behalten - mehr Bedingungen gab es nicht.
Und ich hab das Buch auch wirklich gelesen!
Rezension
Niemals vergessen!Dieses Buch ist die Chronik einer großen jüdischen Familie, sorgfältig recherchiert und zusammengetragen von einem aus der „Generation der Enkel“. Die Sätze sind knapp, dadurch dass die Erzählzeit oft springt, wird dieser Bericht manchmal vielleicht ein wenig unübersichtlich.
Gleichsam umrahmt wird die Geschichte der Familie von der Schilderung des ungeklärt gebliebenen Mordes an Richard Graubart - der erste Teil schildert 1938 hauptsächlich aus Sicht der Opfer, der zweite Teil enthält eine lange Rückblende zur galizischen Herkunft ausgeweitet auf die Geschichte der Ansiedlung von Juden in Tirol und dem Aufschwung des Wintertourismus, von dem auch der mutmaßliche Mörder lebte.
Der dritte Teil beginnt mit Richard Graubarts Geburtsjahr 1899 und endet mit seines Vaters Tod 1936. Dazwischen erleben die älteren Brüder den ersten Weltkrieg, Gefangenenlager in Russland für den einen, Südfront schließlich auch noch für den jüngsten.
Im letzten Teil viel über die Täter, über deren Ausflüchte, Rechtfertigungen, Begnadigungsgesuche und über den Umgang mit ihnen bis weit in die Sechzigerjahre hinein. Auch viel über die Methoden der jeweiligen österreichischen Bundesregierungen, Restitutionen zu verhindern oder zu verzögern.
Christoph Bauer versucht nicht um unser Mitleid zu heischen, er dokumentiert und überlässt es dem Leser, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ich fand es schade, dass gerade durch den Versuch, die Schicksale aller Familienmitglieder in ihren Umgebungen und Lebensumständen von Lemberg über Innsbruck bis London zu erzählen, viele Personen nur kurz erwähnte Namen bleiben mussten. Hier wirkt das Buch oft sehr distanziert, obwohl es dem Autor keineswegs an Respekt vor den Opfern mangelt.
Seine klare Sprache macht es leicht lesbar, die eher nüchterne Schilderung macht es zu einem wichtigen und richtigen geschichtlichen Dokument. Vielleicht gelingt es dek Autor auch gerade dadurch, dass alle eigenen Mutmaßungen auch als solche erkenntlich sind, dem Unfassbaren gerecht zu werden.
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Klappentext
November 1938: Der jüdische Kaufmann Richard Graubart wird in seinem Haus von einem Rollkommando der SS ermordet. Seine Familie wird nach Wien ausgewiesen, von dort wird ihr – wie Graubarts Bruder Siegfried, einem führenden Mitglied der zionistischen Bewegung – die Flucht ins Exil gelingen. Auf der anderen Seite: Ein Innsbrucker Hoteliersohn und Schilehrer, als SS-Hauptsturmführer einer der Täter. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs vor Gericht gestellt, flieht er ins Ausland. 1959 kehrt er nach Österreich zurück und wird nach nur zweijähriger Haft als freier Mann entlassen. Schnörkellos und leidenschaftlich begibt sich Christoph W. Bauer anhand von Originaldokumenten, Briefen und Archivmaterialien auf eine literarische Spurensuche durch die Lebens- und Leidenswege der Familie Graubart und erzählt damit zugleich zwei exemplarische Geschichten aus der jüngeren Vergangenheit Österreichs: Die Geschichte der Täter und die der Opfer, die durch den Nazi-Terror alles verloren haben: ihre Heimat, ihr Eigentum, ihre Familien – und ihr Leben.la-mamma - 13. Okt, 19:36
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