Medizinisches Ausflugslexikon...
Grundsätzlich will mein Sohn ja Tierarzt werden. Ich persönlich glaube eher, dass er ein ausgezeichneter Anwalt werden wird, er argumentiert so nett. Nur ein kleines Beispiel: Mutter verweigert ihm den Ankauf eines Kartendecks. Das ist ein martialisch anmutendes Plastikgestell zum Halten von Pokemon-Karten, das man sich sehr elegant um den Unterarm schnallt. Wieso man die Karten nicht einfach in der Hand halten, oder sie gar auf den Tisch oder Boden legen sollte, entzieht sich der Logik der Vermögensbereitstellerin. Aber – es gibt auch andere Großfamilienmitglieder, die Geld spenden – und als er freudestrahlend mit dem Unding heimkam, hörte ich auf meine resignierte Frage, wieso er genau das gekauft hätte, wenn ich es ihm doch ausdrücklich verboten hätte: Das hast du aber bei der vorigen Version (!!) gesagt!
Doch vielleicht sollte er lieber Schauspieler werden. Für gebrechliche Altersrollen oder so.
Sonntag morgen, strahlendes Wetter.
Zunächst leidet er an den "Ich-will-nicht-mitgehen"-Schmerzen. Könnt ihr den Ausflug nicht ohne mich machen? Ich bleib daheim, ich hab Bauchweh/Kopfweh/Zahnweh". Demonstratives Am-Bauch-Liegen, Suchen einer Wärmeflasche oder eines kühlenden Waschlappens. Kopfweh kann mit Fernseh-, Gameboy- und Computerentzug kuriert werden, bei Zahnweh riskiert er einen folgenden Zahnarztbesuch, nur für Bauchweh ist mir noch nichts rechtes eingefallen.
Etwas so Simples, wie "Ich bin zu müde" lasse ich auch schon längst nicht mehr gelten. Obwohl er sich da zum Beweis grundsätzlich extra zurück ins Bett begibt.
Unter Einsatz listiger und manchmal auch etwas weniger raffinierten Methoden verlassen wir dann die Wohnung. Ohne Wutausbruch geht das, wenn er sich darauf einlässt, das Ausflugsziel auszusuchen. Hier hat er zwar noch etliche Verzögerungsmöglichkeiten, aber irgendwann hat auch er seine Schuhe an.
Weniger erfreut ist er, wenn das Ziel vorbestimmt ist, und die Erwachsenenmehrheit ihn praktisch mit roher Gewalt aus seinem Zimmer holt und ins Gewand steckt. Er lässt sich dann gerne bis zum Aufzug schleifen, spricht in den gewählten Verkehrsmitteln grundsätzlich kein Wort mit mir/uns und sieht ungefähr nach einer halben Stunde eventuell ein, dass er diese Runde doch verloren hat.
Irgendwann sind wir dann in der frischen Luft. Nach ungefähr einer Viertelstunde treten die Ermüdungsschmerzen in den Füßen auf. "Du wolltest schon längst mit mir zum Orthopäden gehen, Mama! Du weißt, dass mir meine Füße immer weh tun!" Findet sich eine interessante Abzweigung – eventuell mit 40 Grad Steigung bergauf – vergehen diese Leiden eher rasch. Keuche ich dann hinterdrein, wirft er mir ein "Selber schuld, du wolltest ja unbedingt wandern gehen" an den Kopf. Das stimmt und stimmt mich eher fröhlich, was ich mir aber nicht so genau anmerken lasse.
Aber der Enthusiasmus hält nicht lange. Jetzt kommen die plötzlich auftretenden Verknacksungsschmerzen. Er hört es jedes Mal ganz deutlich, wenn es passiert. Ab nun braucht er einen Stock, an dem er weiterhumpeln kann. Mit der anderen Hand darf ich ihn stützen, meist eher mit dem ganzen Arm. Am liebsten würde er von nun an getragen werden. Erstaunlicherweise vergisst er auf seine eingeschränkte Mobilität beim Anblick wilder Tiere oder zivilisierter Klettergerüste.
Selbstverständlich habe ich auch immer zu wenig oder das Falsche mit. In weiterer Folge plagen ihn dann Hunger- und Durstgefühle, die grundsätzlich nur in einem nicht vorhandenen Gasthaus gestillt werden könnten. Also lassen wir uns irgendwann zur Rückkehr erweichen. Dass man dafür je länger braucht, je langsamer man geht, ist wiederum sehr schwer zu vermitteln. Sollte jemand irgendwo in tiefer Abenddämmerung einen Zehnjährigen einsam sitzen und rasten sehen – ruft mich bitte an! Ich hole ihn dann ab.
Doch vielleicht sollte er lieber Schauspieler werden. Für gebrechliche Altersrollen oder so.
Sonntag morgen, strahlendes Wetter.
Zunächst leidet er an den "Ich-will-nicht-mitgehen"-Schmerzen. Könnt ihr den Ausflug nicht ohne mich machen? Ich bleib daheim, ich hab Bauchweh/Kopfweh/Zahnweh". Demonstratives Am-Bauch-Liegen, Suchen einer Wärmeflasche oder eines kühlenden Waschlappens. Kopfweh kann mit Fernseh-, Gameboy- und Computerentzug kuriert werden, bei Zahnweh riskiert er einen folgenden Zahnarztbesuch, nur für Bauchweh ist mir noch nichts rechtes eingefallen.
Etwas so Simples, wie "Ich bin zu müde" lasse ich auch schon längst nicht mehr gelten. Obwohl er sich da zum Beweis grundsätzlich extra zurück ins Bett begibt.
Unter Einsatz listiger und manchmal auch etwas weniger raffinierten Methoden verlassen wir dann die Wohnung. Ohne Wutausbruch geht das, wenn er sich darauf einlässt, das Ausflugsziel auszusuchen. Hier hat er zwar noch etliche Verzögerungsmöglichkeiten, aber irgendwann hat auch er seine Schuhe an.
Weniger erfreut ist er, wenn das Ziel vorbestimmt ist, und die Erwachsenenmehrheit ihn praktisch mit roher Gewalt aus seinem Zimmer holt und ins Gewand steckt. Er lässt sich dann gerne bis zum Aufzug schleifen, spricht in den gewählten Verkehrsmitteln grundsätzlich kein Wort mit mir/uns und sieht ungefähr nach einer halben Stunde eventuell ein, dass er diese Runde doch verloren hat.
Irgendwann sind wir dann in der frischen Luft. Nach ungefähr einer Viertelstunde treten die Ermüdungsschmerzen in den Füßen auf. "Du wolltest schon längst mit mir zum Orthopäden gehen, Mama! Du weißt, dass mir meine Füße immer weh tun!" Findet sich eine interessante Abzweigung – eventuell mit 40 Grad Steigung bergauf – vergehen diese Leiden eher rasch. Keuche ich dann hinterdrein, wirft er mir ein "Selber schuld, du wolltest ja unbedingt wandern gehen" an den Kopf. Das stimmt und stimmt mich eher fröhlich, was ich mir aber nicht so genau anmerken lasse.
Aber der Enthusiasmus hält nicht lange. Jetzt kommen die plötzlich auftretenden Verknacksungsschmerzen. Er hört es jedes Mal ganz deutlich, wenn es passiert. Ab nun braucht er einen Stock, an dem er weiterhumpeln kann. Mit der anderen Hand darf ich ihn stützen, meist eher mit dem ganzen Arm. Am liebsten würde er von nun an getragen werden. Erstaunlicherweise vergisst er auf seine eingeschränkte Mobilität beim Anblick wilder Tiere oder zivilisierter Klettergerüste.
Selbstverständlich habe ich auch immer zu wenig oder das Falsche mit. In weiterer Folge plagen ihn dann Hunger- und Durstgefühle, die grundsätzlich nur in einem nicht vorhandenen Gasthaus gestillt werden könnten. Also lassen wir uns irgendwann zur Rückkehr erweichen. Dass man dafür je länger braucht, je langsamer man geht, ist wiederum sehr schwer zu vermitteln. Sollte jemand irgendwo in tiefer Abenddämmerung einen Zehnjährigen einsam sitzen und rasten sehen – ruft mich bitte an! Ich hole ihn dann ab.
la-mamma - 4. Okt, 18:00
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