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Mittwoch, 9. Mai 2007

heimat, am 8.5.

Nein, es gebe nichts Neues, und das sei ja eigentlich ganz gut so, sagte die Schwester meines Vaters und lächelte. Ich sehe sie selten, als Kind mochte ich sie nicht besonders. Mittlerweile fühle ich mich dort wohler, und sie ist die Einzige, die gerne erzählt, woran sie sich erinnert.
Rückwärts tasten wir uns jedes Mal voran, sie ging noch in Pension, bevor es „überhaupt Computer gab“.
Immer kommt die Flucht vor, immer fallen ihr neue Details ein. Mein Vater sei noch einmal zurückgefahren, erzählte sie diesmal, den Nähmaschinenkopf, mit dem die ganze Familie durchgebracht werden hätte sollen, hätte er aber nicht mitgebracht, nur wertlose Kleidung. Immer zeigt sie uns die Fotos, die wenigen, die sie hat, die anderen hätten ihr noch abgeraten, sie solle doch etwas Nützlicheres in ihren Rucksack geben.
Aber die anderen hätten auch gedacht, es sei nur für ein paar Wochen, den Kasten mit dem Schmuck hätte die Mutter nur abgesperrt. 48 sei die Mutter dann gestorben, bald darauf fing die Tante mit einer Fleischhauerlehre an, etwas anderes wäre laut den Verwandten nicht möglich gewesen.
Mein Vater riet mir immer sehr heftig ab, mich mit „irgendeinem Verein“ einzulassen. Er ist älter als meine Tante, er ging zu Kriegsbeginn schon ins slowenische Gymnasium. Die vornehmen Slowenen hätten damals alle deutsch gesprochen, die Deutschen hätten ihre Kinder in die bessere slowenische Schule gegeben, wenn sie denn die Sprache ausreichend beherrscht hätten. Die Schule wurde dann in eine deutsche Schule umgewandelt, und mein Vater bekam lauter Fünfer – sogar einen in Turnen. So kann man natürlich auch aus der Schule fliegen, in der HJ hätte die Herkunft aber keinen gestört, sagt mein Vater auch manchmal. Später maturierte er dann doch in Österreich gemeinsam mit den Kriegsheimkehrern. Die seien nicht mehr viel gefragt worden, und in Deutsch hätte die ganze Klasse über „Vergessen, eine Pflicht oder eine Schuld“ schreiben müssen.
Mein richtiger Großvater warf sich 1937 vor einen Zug, die Begründungen dafür weichen stark voneinander ab – aus Verzweiflung, aus Angst, wegen Spielschulden, ich weiß es nicht. Auf einem Foto sieht man die Mutter mit den Kindern an der Hand über eine Brücke gehen – sie kehren vom Begräbnis des Vaters zurück, da war meine Tante vier und mein Vater acht.
Jedenfalls durften die Onkel alle nicht mehr arbeiten – Halbjuden mit Berufsverbot. Wenn meine Tante von den Verwandten spricht, die ich alle nicht kennen, die alle längst tot sind – sagt sie immer dazu: „Der war ein Nazi, der war ein Erznazi, der war ein Jude, der war ein Antisemit.“ Als ich noch fast ein Kind war, besuchten wir einmal einen Cousin meines Vaters, der war zur Abwechslung ein Kroate.
Unsere Familie ist später oft nach Marburg gefahren. Aus dem Auto ausgestiegen sind wir aber selten.
**
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WEIHNACHTEN n a h t !!!:


heinz szolarz
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