Montag, 1. September 2014

jeden tag

jeden tag schreit sie. so zwischen 9 und 10 am abend. bei schönem wetter verstehe ich jedes wort. bei schlechtem höre ich nur das gekreische. wo warst du so lang? schreit sie. ich hab genug, schreit sie. immer schreit sie. mit sehr schriller stimme. wieso der oder die andere immer wieder zurückkommt, ist mir ein rätsel. dass er oder sie verschwinden solle, schreit sie nämlich auch. jeden tag. in unserem innenhof werden alle stimmen verstärkt. vielleicht ist es ganz gut, dass der sommer vorbei ist.
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Sonntag, 31. August 2014

ohne titel

ob sie noch mehr kinder hätte, wollte ich wissen. eigentlich schon, aber das erste sei gestorben. am ersten tag schwieg ich dazu, ich hatte sie ja gerade erst kennen gelernt. wenn mich etwas verlegen macht, sage ich nichts. glaube immer, die richtigen worte nicht zu finden.

einen schönen alten namen hätte die tochter. ja, sie sei nach dem arzt benannt, der ihnen so viel geholfen habe. der g., die schlecht hört, erzählte ich es später. ob es denn keinen vater gäbe, wollte die wissen. das glaube ich nicht, sagte ich, sie können doch nicht, nur weil grad keiner mit war, sofort denken, dass die mutter allein sei.

beim nächsten treffen fragte ich doch, wie alt das erste kind denn geworden sei und ob sie das überhaupt beantworten wolle. gern, sagte sie, und über das gern war froh. nur sechs wochen, er hätte die xy-krankheit gehabt. von der hatte ich noch nie gehört. sechs wochen und sie sei dankbar, dass sie wenigstens die gehabt hätte.

es wäre klar gewesen, dass er nicht überlebe. obwohl es lang gedauert hätte, herauszufinden, was denn eigentlich mit dem kind nicht stimmte. die wahrscheinlichkeit, dass ein zweites kind an derselben krankheit leiden würde, sei 80 prozent gewesen.

wann denn das alles gewesen sei? oh, nur ein jahr vor der geburt ihrer tochter. am schlimmsten sei gewesen, dass sie als eltern selbst entscheiden hätten müssen, wann alle geräte abzuschalten waren.

die tochter ist ein fröhliches, aufgewecktes mädchen. als das kind tot war, hatte sie es zum ersten mal ohne schläuche im arm halten dürfen. die mutter ist eine großartige frau.
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Mittwoch, 27. August 2014

völkerverständigung

es ist nun einmal nicht so, dass die wiener im rest von österreich sonderlich beliebt sind. schon als kleines kind lernte ich bei meinen großeltern, dass alle autos mit einem w im kennzeichen von "werner bazis" gelenkt werden, und auch wenn es liebevoll klang, war das keineswegs liebevoll gemeint.

viel später trug sicher gerade die kultserie vom echten wiener, der nicht untergeht, ihr scherflein dazu bei, das image der wiener noch mehr zu verschlechtern. denn - genauso sind sie - wie von durchaus ironiefreien zuseherInnen damals entsetzt festgestellt wurde.
*
nun war es aber eine zeitlang recht populär, sich ein wochenendhaus im nächstliegenden niederösterreich zuzulegen. vielleicht eher nicht von lauter mundeln, aber ist ein vorurteil erst einmal gefasst ...
so haben sich auch meine eltern in einen kleinen ort im südwestlichen niederösterreich verliebt, und sind bis heute nirgends so glücklich wie dort an ihrem zweitwohnsitz.
*
wir kinder waren dort eine zeitlang eher relativ glücklich - war doch plötzlich alles erlaubt, was in der stadt nicht möglich war - stundenlanges im bach spielen, mit dem rad herumfahren, wohin immer wir wollten, und plötzlich ein sozialleben, das sich vom unglaublich kleinen bekanntenkreis meiner eltern in wien diametral unterschied. siedlungsfeste, freundschaften fürs leben und ganz viel frische luft. (die war uns am wenigsten wichtig, aber die eltern sprachen immer davon ...)
*
die begeisterung sank rapide, als wir eigentlich viel lieber auf die feste in wien gegangen wären, statt jedes wochendende und zwar wirklich JEDES in dem kleinen ungenannt bleibendem ort verbringen zu müssen. wir machten aus der not eine tugend, schließlich konnten wir auch mit unseren altersgemäßen leidensgenossen abhängen und/oder mit der ortsansässigen jugend über den tennisplatz, das schwimmbad oder die feuerwehrfeste fraternisieren.
*
heut war ich zufällig dienstlich ganz in der nähe und besuchte meine eltern, die dort draußen noch immer zu anderen menschen werden. meine mutter lästert weniger, mein vater wird toleranter, alle beide sind entspannter ... und dann kamen der bürgermeister und der vizebürgermeister, um meinem vater zu seinem 85. geburtstag zu gratulieren.
*
vielleicht lag es auch an meiner zierenden anwesenheit, aber - ohne die beiden herren vorher gekannt zu haben: es entwickelte sich eine derartig lustige, freundliche athmosphäre, dass ich fast noch länger geblieben wäre. die zwei waren ganz erstaunt, wen ICH aller kenne, und wonach sich meine eltern erkundigten. wie sehr sich die wahrnehmung und beurteilung ganz unterschiedlicher phänomene (des verflossenen und des gegenwärtigen pfarrers, des verfallenen hauses bei der ortseinfahrt, der zerstrittenen familie des vorvorvorbürgermeisters, der einzigen fabrik weit und breit undundund) glichen, war durchaus überraschend.
*
meinem vater war es vorher eher peinlich, dass "irgendjemand von der gemeinde" überhaupt kommen würde. den beiden herren schwebte wohl auch eher ein kurzer höflichkeitsbesuch bei einem alten herrn, den sie nur vom sehen kannten, vor. irgendwie ist es anders geworden. und das war einfach richtig schön!
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Montag, 25. August 2014

ich WAR eine websinglefrau ...

für frau kontor aus dem archiv gekramt

Gibt ja viele Arten zu vielen Liebhabern zu kommen, aber das ist eindeutig die effizienteste. Zunächst fallen einmal alle umständlichen Vorbereitungsarbeiten weg. Ungeschminkt, die Beine nicht rasiert, keine siebzehnmal umgezogen, füllt frau ihr Profil aus. Am besten gleich zwei.

Ich als Ehrlichkeitsfanatikerin hatte da überhaupt kein Problem. Und schönere, schlankere, blondere und klügere sind bestimmt rar gesät. Zum Beweis lud ich auch Fotos dazu – Foto A, das leider nicht statt mir altert, auf Profil A, und Foto B – ohne mir die minimale Mühe zu machen, den Filmtitel zu entfernen – auf Profil B.

Der Rest waren ein paar Wünsche ans Christkind – wie stellte ich mir meinen Partner schon vor? – und ein paar Plattheiten, was ich denn so auf einsamen Inseln treiben wollte, wohin mein zielloses Lotterleben denn noch führen sollte, oder was mich so im Fernsehen anturnt. Apropos turnen: die sexuellen Vorlieben ließ ich einfach aus, die vorgegebenen Kategorien sind einfach nicht nymphomaninnengerecht.

Und dann fängt der Spaß an:
Du wirst entdeckt! Von Burschen, deren Mutter du sein könntest, von Idioten, die dir zum Filmtitelplakataussehen gratulieren, von Hobbyfotografen, die Aktmodelle suchen, von Adam und Mark, von Spencer und Clark, von Hinz und Kunz, von Lackaffen und Surflehrern, von Dichtern und Handwerkern, von ….

Die haben nun genau zwei Möglichkeiten: Sie tragen sich in dein Gästebuch ein, wobei du der indirekten Aufforderung, sich ihr Profil geneigt anzuschauen, nie widerstehen kannst. Was dort steht ist zwar völlig irrelevant – wenn es nicht so wäre, wäre das Leben ja wirklich viel zu einfach – aber die Orientierung an den Eckdaten „Kinder im gemeinsamen Haushalt“, Wohnort „Oberbayern“, Anzahl der Rechtschreibfehler und ein ausgefülltes „peinlichstes Sexerlebnis“ reicht ja im Grund. (Raucher/Nichtraucher scheint mir schon sehr relativ.)

Etwas Beflissenere machen sich die Mühe, ein e-mail zu verfassen. Das haben sie natürlich auch irgendwann für alle Zeiten erledigt, drum steht da dann immer dasselbe drin. „Hi, ich bin der Franzi, und habe gerade dein sympathisches (oder sympatisches – das ist entschieden die häufigere Variante!) Profil gelesen, ich finde, wir sollten uns (einander kennt da auch kaum einer) unbedingt kennen lernen!“ Da der Pepi, der Joschi und der Fritzi genauso dachten, hatte ich da natürlich das Problem, die alle auseinander zu halten!

Mein gutmütiges Ich beantwortete jedes zehnte und jedes nette. Mein wagemutiges Ich vereinbarte Treffen mit einer handverlesenen Schar. Beim Auslesen dürfte ich allerdings ein wenig unkonzentriert gewesen sein – nicht jeder hat den Weg dorthin auch gefunden. Meine Wege rationalisierte ich dann – mehr als fünf Minuten Fußweg und einen Kaffee Wartezeit wollte ich keinem Fremden mehr widmen.

Über die mir nicht mehr ganz so Fremden schweige ich jetzt einfach ;-)
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Freitag, 22. August 2014

ähem ...

der x: mama, wenn du stirbst, bin ich schon groß!
ich: na hoffentlich wird das so sein.
der x: weil, da schlaf ich nämlich dann allein!
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Donnerstag, 21. August 2014

rätsel 167*

nielslebert

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Montag, 18. August 2014

rätsel 166*

bauchwein mit österr.dt. und dabei muss man auch noch die endung von teil 1 verschwinden lassen;-)
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Donnerstag, 14. August 2014

brauchen ist ein schwieriges wort

IMG-20140812-WA001

unlängst hab ich diesen drei spanierinnen da mit mir auf dem bild drei stunden deutschunterricht erteilt. und die drei bemühen sich redlich, obwohl deutsch nicht gerade einfach ist ...

sie brauchen es teilweise, teilweise nicht.
sie wollten wissen, warum "ich brauche kein bier zu trinken" ok ist, aber "ich brauche (ein bier) zu trinken" falsch, aber "ich brauche ein bier" wieder richtig. mir ist bei meiner erklärung (entweder mit objekt oder eben verneint mit infinitiv und zu) kein anderes wort eingefallen, das genauso gebraucht wird.

brauchen ist ein schwieriges wort. gebraucht kann auch mit sein und haben gebraucht werden. also ein zustandsperfekt oder eine abgeschlossenes perfekt sein. wobei nichts perfekt ist oder war.

wir brauchen brauchen oft.

ich brauche dich (nicht).
du brauchst mich (nicht).
ich brauche mich nicht zu rechtfertigen.
ich brauche nicht zu lügen.
ich brauche zeit und abstand.
ich brauche nicht zu weinen.
du brauchst eine perspektive.
wir haben einander gebraucht und missbraucht.
unser kind braucht uns beide.

und meine geduld ist aufgebraucht.
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das mitbringsel für alle, die wien (nicht) kennen!


heinz szolarz
my vienna!

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