Donnerstag, 25. Februar 2010

rupa

mein beitrag zur integrationsdebatte, teil 2

rupa kommt aus bangladesh und lebt seit sechs jahren in österreich. unlängst verbrachten wir eine woche tag und nacht nebeneinander. in spätestens drei jahren gehe sie zurück in ihre heimat- aus drei gründen, wie sie mir sehr bestimmt erklärte:
erstens wäre ihre ganze familie dort, ihre schwester sei auch gerade mit dem dritten kind schwanger und ihre mutter hätte noch nicht einmal das große enkelkind gesehen.
zweitens wolle sie keinesfalls, dass ihre beiden mädchen in österreich als halbwüchsige so wie alle anderen halbwüchsigen österreicherinnen ein für ihre begriffe zu freizügiges (sexual)leben führen - und das sehe sie eigentlich - solange sie sich in genau dem umfeld aufhalte - als unausweichliche folge.
und drittens arbeite ihr mann hier als kellner und taxifahrer, sie selber als kindergartenhelferin, wobei aber vor allem die berufe ihres mannes jetzt nichts seien, worauf die kinder einmal sonderlich stolz sein würden. schließlich hätten sie beide studiert - und adäquatere jobs würden sie hier sicher nicht bekommen.

sie selber verstehe das natürlich, sie könne einfach nicht gut genug deutsch. meiner meinung nach kann sie schon ausgezeichnet deutsch. jemand, der dem "huber" (das ist unsere ivf-koryphäe mit ziemlichem lokalen bekanntheitsgrad) beim nahtziehen ein "herr doktor, bedenken sie, ich bin auch nur ein mensch" in überzeugendstem tonfall vorträgt, kann gut deutsch. als ich sie nach ihrem doch recht ausgiebigen gejammer fragte, ob das wirklich so weh getan hätte, lachte sie und sagte, natürlich nicht, aber man könne ja nicht vorsichtig genug sein.
ihren humor hab ich in der woche überhaupt zu schätzen gelernt, man kann auch (wegen der kaiserschnitte natürlich nur ganz vorsichtig) herzhaft drüber lachen, wieso bananen weniger muslimisch als marillenkuchen sind. oder apfelkuchen als joghurt. vor allem wenn sich das menü NUR dadurch unterscheidet.
wobei die muslima aus bangladesh die haare nie bedeckt, aber grundsätzlich ihrem neffen (ich nehme an, bei ihrem mann allein wär es egal gewesen) kein nacktes bein zeigt. und leise flucht, wenn sie eine hose anziehen muss (s.o. - die narbe, sie wissen schon ....) und laut aufatmet, wenn alle besuche wieder weg sind. das hatten wir durchaus auch gemeinsam, nur war es für sie wegen der zweieinhalbjärhrigen tochter, die ihre mami schrecklich vermisste, noch weit stressiger, denn die war natürlich immer da, was dann mit begleitung und nachkommendem kindsvater ein grundminimum von drei besuchern pro nachmittag machte.
selbstverständlich gingen die beiden männer immer hinaus, wenn sie stillte, und nie, wenn ich das tat. sie waren von anfang an ganz reizend und höflich zu mir, stellten sich beide namentlich vor und ich weiß, es war mein fehler - ich hätte beim allerersten mal etwas sagen müssen. später wäre es mir dann komisch vorgekommen. aber ganz richtig angefühlt hat es sich auch nicht.

andererseits schreckt auch meine mutter vor taktlosigkeiten aller art nicht zurück. ihr auf die antwort, dass auch das zweite kind ein mädchen sei, ein wenig willkürlich zu erklären, dass es ja jetzt eh in china zu wenige davon gebe, ließ mich vor scham fast in den boden versinken. als wir beide dann wieder alleine waren, lachte mich rupa an und sagte, im allgemeinen seien die österreicher recht höflich, sie hätte das schon richtig verstanden, wie meine mutter das gemeint hätte. und mir war klar, dass ich vielleicht eine neue freundin gefunden habe.
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wvs - 26. Feb, 00:38

Viele sehr aufschlußreiche Facetten ....

in einem sehr komprimierten Beitrag - ich kann erkennen, wie durch die Nähe in der Krankenhaussituation viel tiefere Einblicke in die Gedanken, Träume und Urteile möglich werden als im allgemeinen Leben .... noch dazu wenn jemand so genau hinsieht und -hört wie Du ....

Was lernen wir also für den Alltag daraus?
Hoffentlich zuerst einmal, daß es verbindende Elemente gibt, die - jenseits aller trennenden Konventionen - rund um den Globus gültig zu sein scheinen .... sodann etwas über die Gültigkeit von 'Tabus' als 'Einbahnstraße', vermutlich in der Annahme, da die Westlichen eh schon so dekadend sind wird es sie weniger berühren .... und schließlich etwas über Perspektiven:
Wer da geglaubt hat wir seien 'das gelobte Land' hat gründlich mißverstanden wozu Menschen wie deine Bettnachbarin sich hier aufhalten - erstmal den Lebensunterhalt mit weniger Mühe und mehr Sicherheit bestreiten, dann aber die Pläne für ein "besseres Leben" in der Heimat schmieden .... ich kenne einige 'Migranten', die, nach vielen Jahren der Entbehrung und des Sparens, nur auf den Zeitpunkt hinfiebern, an dem sie endlich (!) in "ihr Land" zurückkehren können ....

Die wollen nicht 'integriert' werden, sondern als Menschen mit gleichen Rechten und Pflichten akzeptiert sein - und wie schwer machen es ihnen oft Jene, die selbst ohne jede Anstrengung oder Leistung nach den Segnungen des Staates schreien!

la-mamma - 26. Feb, 17:24

das mit den tabus

als einbahnstraße find ich gut formuliert!
*
du hast sicher recht, was ihre erwartungen betrifft. (und die scheinen mir aber auch durchaus realistisch.
*
und was schön war - wir haben ja wirklich mehr verbindendes als trennendes gefunden. wobei ich ja da oben "in der komprimierten form" noch etliches ausgelassen habe ...
schreiben wie atmen - 26. Feb, 08:17

Abgesehen davon,

dass ich meinem Vorredner oder meiner Vorrednerin zustimme, möchte ich hier gerne noch bekunden, dass "peinliche Mütter" anscheinend überall ähnliche Phänomene auslösen. Als Tochter versucht man schnell in ein selbstgescharrtes Mauseloch zu versinken und stellt im nächsten Moment überrascht fest, dass die Peinlichkeit bei Anderen kaum Befremden auslöst, ja zuweilen gar als "goldig" bezeichnet wird. Manchmal versuche ich in Momenten der Peinlichkeit (derer es vielzählige gib) an diese Erkenntnis zu denken und mich zu entspannen.

la-mamma - 26. Feb, 17:25

aha,

sie haben auch eine;-)
walküre - 26. Feb, 12:35

Wunderbar geschrieben.

la-mamma - 26. Feb, 17:25

danke schön.

hier fehlt was;-)

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